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Instrumente und Strukturen der EZNachhaltigkeitLaufend

Der DEval-Meinungsmonitor Entwicklungspolitik

Mit der 2015 verabschiedeten Agenda 2030 der Vereinten Nationen ist die Einbindung der Bürger*innen in die Entwicklungszusammenarbeit wichtiger denn je. Ohne eine breite Unterstützung in der Bevölkerung können die ambitionierten Ziele der Agenda nicht erreicht werden. Vielerorts wächst jedoch zugleich die öffentliche Kritik an der internationalen Zusammenarbeit. Mit dem Projekt Meinungsmonitor Entwicklungspolitik untersucht das DEval seit 2017 regelmäßig, wie es in dieser Hinsicht um die Meinung der Bevölkerung in Deutschland steht.

Sicherung der Welternährung und Armutsbekämpfung, Gesundheit und Bildung, Schutz der natürlichen Ressourcen und Bekämpfung des Klimawandels, Gleichberechtigung der Geschlechter und nachhaltiges Wirtschaften: Deutschland hat sich der Umsetzung der Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung verpflichtet. An ihnen orientiert sich auch die staatliche Entwicklungszusammenarbeit. Bei der Ausgestaltung sollten die Vorstellungen der Bevölkerung berücksichtigt werden – nicht zuletzt, weil öffentliche Mittel zum Einsatz kommen.

Auch die Arbeit der zivilgesellschaftlichen Organisationen steht und fällt mit der Unterstützung der Bevölkerung. Sie benötigen Spenden und sind auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Zudem muss das Bewusstsein für globale Zusammenhänge in der breiten Gesellschaft verankert sein, wenn sie ihr Verhalten mit der Agenda 2030 in Einklang bringen soll.

Zentrale Ergebnisse und Implikationen aus dem Meinungsmonitor 2021

Zentrale Ergebnisse und Implikationen aus dem Meinungsmonitor 2019

Mehr als zwei Drittel der Bürger*innen geben an, mindestens einmal pro Tag aktiv Nachrichten zu internationalen Ereignissen zu lesen, zu sehen oder zu hören.

Hauptinformationsquellen vor allem für die Bevölkerungsgruppen ab 40 Jahren sind das öffentlich-rechtliche Fernsehen, Zeitungen und das Radio, während soziale Medien vor allem für jüngere Menschen und Menschen, die sich politisch weiter rechts verorten, eine Rolle spielen. Ein Großteil der Bevölkerung vertraut den Medien, während  die Sender entwicklungspolitischer Botschaften wie die Bundesregierung oder Nichtregierungsorganisationen weniger Vertrauen genießen.

Berichte zu Kriegen und Konflikten, Flucht und Migration sowie zum Klimawandel werden wesentlich häufiger wahrgenommen als solche zu entwicklungspolitischen Initiativen, Einkommensungleichheit oder Geschlechtergleichstellung.

Zudem wird die Berichterstattung zu entwicklungspolitisch relevanten Themen zum Teil als verzerrt empfunden.

Mediennutzung und -wahrnehmung unterscheiden sich je nachdem, wie die Befragten der Entwicklungspolitik gegenüberstehen

– ob sie als „Unterstützende“, „Skeptiker“, „Gegner“ oder „Unschlüssige“ eingestuft werden können.

Für eine zielgruppenorientierte Kommunikation entwicklungspolitischer Inhalte sollte das spezifische Mediennutzungsverhalten der einzelnen Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden.

Allerdings werden Medien nicht exklusiv von einzelnen Zielgruppen konsumiert; eine Kommunikation, die auf ein spezifisches Segment der Bevölkerung zugeschnitten ist, könnte negative Reaktionen in anderen Bevölkerungsgruppen hervorrufen. Zudem dürften Personen, die Maßnahmen der EZ generell ablehnen oder von ihrer Unwirksamkeit überzeugt sind, auch über entsprechende Informationsangebote nicht erreicht werden.

 

Die Evaluierung wurde 2019 abgeschlossen. Die Ergebnisse und Implikationen werden hier zusammengefasst dargestellt, die kompletten Ergebnisse und Empfehlungen sind im Bericht zu finden.

Zentrale Ergebnisse und Implikationen aus dem Meinungsmonitor 2018

Die Bürger*innen Deutschlands betrachten Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit (EZ) als wichtig.

In welchem Maß sie das staatliche Engagement unterstützen, hängt dabei von ihrer politischen Orientierung, ihrer empfundenen moralischen Verpflichtung gegenüber Ländern des Globalen Südens und ihrer Einschätzung der Wirksamkeit von EZ ab. Das hohe Maß an Unterstützung in der Breite der Bevölkerung ist für die deutsche Entwicklungspolitik eine große Chance.

Gleichzeitig bezweifeln viele Menschen die Wirksamkeit von EZ und vermuten, dass Korruption weit verbreitet ist.

Der Anteil der EZ am Bundeshaushalt wird zudem deutlich überschätzt. Die grundsätzlich positive Grundhaltung der Bevölkerung sollte genutzt werden, um eine offene Diskussion über die Motive, Erfolge und Fehlschläge in der EZ zu führen und so das Bewusstsein über Gemeinsamkeiten und Interdependenzen zwischen Menschen aus verschiedenen Regionen der Welt zu stärken.

Die Bevölkerung unterstützt den Grundgedanken der Agenda 2030.

Allerdings sind die Sustainable Development Goals (SDGs) weitgehend unbekannt. Auch glaubt die Mehrheit nicht, dass die 17 SDGs bis zum Jahr 2030 erreicht werden. Ihren eigenen Einfluss auf das Erreichen der Ziele schätzen die Menschen als moderat ein. Mehr Sichtbarkeit für eigene Einflussmöglichkeiten und für erzielte Erfolge könnte das Engagement der Bevölkerung für die SDGs fördern.

Die Ergebnisse und Implikationen werden hier zusammengefasst dargestellt, die kompletten Ergebnisse und Implikationen sind im Bericht zu finden.

Hintergrund

Die aktive Einbindung der Bürger*innen in die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) und die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie ist durch die Verabschiedung der Agenda 2030 aktueller denn je. Ohne eine breite Unterstützung in der Bevölkerung können die ambitionierten Ziele, die Themen wie weltweite Nahrungsmittelsicherheit, Gesundheit, Schutz der Umwelt, Geschlechtergleichstellung, Bildung und nachhaltiges Wirtschaften umfassen, nicht erreicht werden.

Auch aus einer normativen Perspektive ist die Unterstützung jeglicher politischen Ziele und Maßnahmen durch die Bevölkerung wichtig. So sollten staatliche Entscheidungsträger*innen die Vorstellungen der Bevölkerung bei der Politikgestaltung berücksichtigen, um deren Akzeptanz bzw. Legitimität zu gewährleisten. Dies gilt auch für die EZ als Instrument zur Umsetzung der Agenda 2030.

Ebenso sind zivilgesellschaftliche Organisationen in hohem Maße auf das Interesse und die Unterstützung der Bürger*innen in Form von Spenden und ehrenamtlichem Engagement angewiesen. Neben der Gewährleistung der Handlungsfähigkeit durch finanzielle Zuwendungen und ehrenamtliches Engagement ist die Bekanntheit und Wahrnehmung der Arbeit dieser Organisationen durch die Bevölkerung essenziell, um ein Bewusstsein für globale Zusammenhänge in der breiten Gesellschaft zu verankern und Verhaltensweisen zu etablieren, die im Einklang mit der Agenda 2030 stehen.

Die gegenwärtige Daten- und Studienlage zur Perspektive der Bevölkerung auf Entwicklungspolitik, EZ und globale nachhaltige Entwicklung ist jedoch unzureichend, vor allem vor dem Hintergrund, dass im Zuge gegenwärtiger weltpolitischer Entwicklungen (z. B. internationaler Terrorismus, globale Flüchtlingsbewegung, Virus-Pandemie) EZ wieder stärker in den öffentlichen Fokus gerückt ist. Daraus resultiert ein dringender Bedarf an Wissen über den Kenntnisstand, die Einstellungen und die Verhaltensweisen der Bevölkerung in diesem Themenfeld. Der DEval-Meinungsmonitor möchte diesen Erkenntnisbedarf erfüllen und EZ-Akteuren sowohl Feedback über die öffentliche Meinung zum Thema EZ und nachhaltige Entwicklung als auch Orientierungswissen für die strategische Ausrichtung bzw. Kommunikations- und Bildungsarbeit bieten.

Methoden

Für den Meinungsmonitor 2018 wurden Umfragedaten des Aid Attitude Tracker (AAT) verwendet. Dabei handelte es sich um eine von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) geförderte (Panel-) Studie des University College London (UCL), bei der von 2013 bis 2018 im halbjährlichen Turnus jeweils rund 6.000 Personen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA zu EZ befragt wurde. Die Studie wird seit 2019 durch das Projekt Development Engagement Lab (DEL) am UCL sowie der University of Birmingham fortgeschrieben und ebenfalls von der BMGF finanziert. Die DEL-Erhebungen werden vom DEval-Meinungsmonitor genutzt.

Die Panelbefragung des AAT bzw. DEL besteht aus sich wiederholenden Kernfragen (Einstellung zu EZ, Veränderung des Budgets für EZ usw.) und einmalig erhobenen Themenblöcken, die aus der EZ-Community eingespeist werden. Diese haben häufig einen Bezug zum aktuellen politischen Geschehen (z. B. Flüchtlingsbewegungen, Islamischer Staat). Im AAT wurde die Panelbefragung alle sechs Monate durchgeführt, im DEL-Projekt einmal im Jahr. Um Lerneffekte bei wiederholten Befragungen zu kontrollieren und Daten in kürzeren Abständen zu erhalten, werden im DEL mehrmals im Jahr zusätzliche Erhebungen durchgeführt. Diese basieren in der Regel auf eigenen Querschnittsstichproben und fragen Kernindikatoren (z. B. Einstellung zu EZ) sowie tagesaktuelle Themen ab. Zu diesen Erhebungen zählt u. a. die für den Meinungsmonitor 2019 verwendete DEL-Befragung zu Mediennutzung und -wahrnehmung im Mai/Juni 2019.

Neben den Befragungen des AAT bzw. DEL führt das Team des Meinungsmonitors eigene experimentelle Erhebungen durch. Sie untersuchen, wie sich verschiedene Informationen auf EZ-bezogene Einstellungen auswirken. Ebenso werden für den Meinungsmonitor Medieninhalte analysiert. Hierbei greift das Studienteam sowohl auf vorliegende inhaltsanalytische Daten als auch auf Inhaltsanalysen zurück.

Der DEval-Meinungsmonitor wird durch eine Referenzgruppe begleitet, die sich aus Vertreter*innen der staatlichen und zivilgesellschaftlichen EZ-Akteure zusammensetzt. Hinzu kommt die Begutachtung der Studie durch interne und externe Peer Reviewer, die über Expertise im Bereich der EZ, Einstellungsforschung und sozialwissenschaftlichen Forschungsmethodik verfügen.

Kontakt

Portrait von Dr. Sebastian Schneider
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Dr. Sebastian H. Schneider

Evaluator - Teamleitung

Telefon: +49 (0)228 336907-977

E-Mail: sebastian.schneider@DEval.org

Portrait Martin Bruder
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Dr. Martin Bruder

Abteilungsleitung: Zivilgesellschaft, Menschenrechte

Telefon: +49 (0)228 336907-970

E-Mail: martin.bruder@DEval.org

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