Fragilität und KonfliktLaufend

Gleichberechtigung der Geschlechter in Post-Konflikt-Kontexten

Friedenssicherung und Geschlechtergerechtigkeit sind zwei wesentliche Ziele der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Doch werden diese beiden Ziele und ihre Wechselwirkungen in der entwicklungspolitischen Praxis ausreichend berücksichtigt? Diesen Fragen geht eine DEval- Evaluierung in mehreren Post-Konflikt-Ländern nach.

Immer mehr Programme und Projekte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit werden in fragilen Kontexten durchgeführt. Gemeint sind damit Umstände, in denen das staatliche Gewaltmonopol nur bedingt greift und der Staat nicht in der Lage ist, grundlegende soziale Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Häufig sind diese Länder von Konflikten geprägt, deren Auswirkungen Frauen oft besonders hart treffen.

Gleichzeitig ist bekannt, dass Frauen eine entscheidende Rolle in der Prävention von Konflikten und in der Friedenssicherung spielen. Die Rechte von Frauen zu schützen und sie gleichberechtigt in Friedensverhandlungen und Konfliktschlichtung einzubeziehen, sind daher wesentliche Ziele der UN-Resolution 1325, die am 31. Oktober 2000 vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet wurde.

Die deutsche Bundesregierung hat diese Ziele in nationale Strategien umgesetzt. In seiner Evaluierung untersucht das DEval, inwieweit sie sich auch in der Planung und Umsetzung deutscher Entwicklungsmaßnahmen in Post-Konflikt-Ländern wiederfinden und welche Wirkung sie dort entfalten.
 

Ziele der Evaluierung

Es gibt nur unzureichend Informationen darüber, inwieweit es der staatlichen deutschen EZ gelingt, ihren Anspruch einzulösen, die Genderperspektive in allen Vorhaben in fragilen und von Konflikt geprägten Kontexten zu berücksichtigen und Maßnahmen gendersensibel zu gestalten. Ein Ziel der Evaluierung ist es daher, dies zu untersuchen und auf Basis der Ergebnisse Lernprozesse der Steuerung und Umsetzung von Entwicklungszusammenarbeit in Post-Konflikt-Kontexten anzustoßen.

Die Evaluierungsergebnisse dienen außerdem der Rechenschaftslegung hinsichtlich der gendersensiblen Ausgestaltung deutscher EZ-Maßnahmen in Post-Konflikt-Kontexten. Gleichzeitig möchte die Evaluierung dem BMZ Informationen zur Unterstützung seiner politischen Steuerung in diesem Themenbereich zur Verfügung stellen. Deshalb wird auch untersucht, inwieweit das BMZ geeignete Prozesse, Instrumente und Mechanismen eingerichtet hat, die für eine Berücksichtigung von Wechselwirkungen, Synergien und Zielkonflikten zwischen den beiden entwicklungspolitischen Zielen „Geschlechtergerechtigkeit“ und „Friedensförderung“ in der deutschen EZ förderlich sind.

Hintergrund

Ein großer Teil der Kooperationsländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist von Konflikten geprägt. Die UN-Resolution 1325 und ihre Folgeresolutionen unterstreichen die Rolle von Frauen hinsichtlich Friedenssicherung und Konfliktprävention und heben die Relevanz gendersensibler Ansätze und des Schutzes von Frauenrechten in Post-Konflikt-Kontexten hervor. Diese Vorgaben wurden von der deutschen Bundesregierung in nationale Strategien übersetzt, wobei für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) der ressortübergreifende Nationale Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Resolution 1325 (NAP 1325) besonders relevant ist. Auch im Aktionsplan zur Gleichberechtigung der Geschlechter 2016–2020 ist „Bewaffnete Konflikte, Friedenssicherung und Flucht“ ein sektorales Themenfeld. Umgekehrt spielt Gleichberechtigung der Geschlechter eine Rolle im BMZ-Konzept „Entwicklung für Frieden und Sicherheit“.

Methoden

Zunächst untersucht die Evaluierung, inwieweit in Vorgaben der staatlichen bilateralen EZ für Post-Konflikt-Länder eine Verknüpfung der Förderung von Geschlechtergerechtigkeit und Frieden verankert ist und dort begründet bzw. unterstützt wird.

Ausgehend von den Strategien des BMZ untersucht die Evaluierung außerdem, inwieweit die beiden entwicklungspolitischen Ziele „Geschlechtergerechtigkeit“ und „Friedensförderung“ im Rahmen von Prozessen zur Erstellung von Länderstrategien und zur Gestaltung von Programmen im Zusammenhang betrachtet und miteinander verknüpft werden. Dabei soll auch herausgearbeitet werden, welche Faktoren besonders förderlich bzw. hinderlich für eine Berücksichtigung der komplexen Wechselwirkungen von Gender- und Konfliktaspekten sind und wie eine solche Berücksichtigung ggf. noch nachhaltiger in Verfahren verankert werden kann.

Datenerhebungen finden sowohl im BMZ und den Durchführungsorganisationen in Deutschland statt als auch in ausgewählten Kooperationsländern der deutschen EZ, die als Post-Konflikt-Kontext klassifiziert wurden. Im Rahmen von Länderfallstudien wird das Gesamtportfolio der deutschen EZ des Fallstudienlandes mit spezifischem Gender-Konflikt-Fokus analysiert. Dabei sind die Schnittstellen zwischen dem BMZ und den Durchführungsorganisationen von besonderem Interesse. Anhand einzelner Vorhabensfallstudien in den Fallstudienländern wird zudem untersucht, wie sich eine Berücksichtigung der Verknüpfung der entwicklungspolitischen Ziele „Gleichberechtigung der Geschlechter“ und „Friedensförderung“ auf die konkrete Umsetzung von Aktivitäten und vor allem auf deren Nutzen für Menschen in Post-Konflikt-Kontexten auswirkt.

Zeitplan

Berichterstellung bis Februar 2021.

Veröffentlichung im März 2021.

Stand: November 2019.

Kontakt

Portrait von Dr. Angela Heucher
© DEval

Dr. Angela Heucher

Evaluatorin, Gleichstellungsbeauftragte

Telefon: +49 (0)228 336907-938

E-Mail: angela.heucher@DEval.org

Portrait Martin Bruder
© DEval

Dr. Martin Bruder

Abteilungsleitung: Zivilgesellschaft, Menschenrechte

Telefon: +49 (0)228 336907-970

E-Mail: martin.bruder@DEval.org

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