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NachhaltigkeitInstrumente und Strukturen der EZUmwelt und KlimaPhilippinenAbgeschlossen

Umwelt und ländliche Entwicklung auf den Philippinen

Über einen Zeitraum von zehn Jahren unterstützte die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die philippinischen Behörden in der Landnutzungsplanung. Die Evaluierung untersuchte mit rigorosen Methoden, ob die geplanten positiven Wirkungen auf die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen, die lokale Regierungsführung und das Katastrophenrisikomanagement eingetreten sind.   

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Wie viele andere Entwicklungs- und Schwellenländer stehen die Philippinen vor einer Vielzahl von ökologischen und ökonomischen Herausforderungen: Das Risiko für Umwelt- und Naturkatastrophen ist hoch und wird durch die Auswirkungen des Klimawandels noch verstärkt; ein hohes Bevölkerungswachstum und eine ungleiche wirtschaftliche Entwicklung sorgen für einen großen Druck auf die Nutzung knapper natürlicher Ressourcen. Vor diesem Hintergrund spielt die nachhaltige Nutzung von Land eine entscheidende Rolle.

Über das Instrument der Landnutzungsplanung ist es möglich, für eine gerechte und transparente Verteilung der Ressource Land zu sorgen und ihre nachhaltige Nutzung zu steuern. Zudem können potenzielle Nutzungskonflikte erkannt und ausgeräumt werden.

Über die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wurde zwischen 2006 und 2015 im Rahmen des Programms „Umwelt und Ländliche Entwicklung“ ein Bündel von Maßnahmen eingesetzt, um die Landnutzungsplanung auf den Philippinen zu verbessern.  Ziel war es, die Kompetenzen der Partner in diesem Bereich dauerhaft zu erhöhen und gleichzeitig für einen besseren Schutz der natürlichen Ressourcen und ein besseres Katastrophenrisikomanagement zu sorgen. Zudem sollte die Lebenssituation der ländlichen Haushalte verbessert werden.

Ergebnisse und Empfehlungen

Landnutzungsplanung ist ein zentrales Element, um die ländliche Entwicklung in den Partnerländern zu unterstützen.

Allerdings müssen die bestehenden Land- und Landnutzungskonflikte sowie die wirtschaftlichen und politischen Machtstrukturen bei der Konzeption frühzeitig berücksichtigt werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle Akteure sich den Zielen verbunden fühlen, die dem Gemeinwohl dienen. Um die Position der marginalisierten Gruppen zu stärken, ist es wichtig, die Zivilgesellschaft systematisch in die Prozesse der Landnutzungsplanung einzubinden.

Die Anzahl ausgewiesener Naturschutzgebiete und die Kapazitäten im Bereich Katastrophenrisikomanagement wurden erhöht; keine messbaren Verbesserungen zeigten sich bei den Lebensbedingungen der ländlichen Haushalte.

Um mögliche Synergieeffekte zwischen Maßnahmen der Landnutzungsplanung und anderen Maßnahmen zur Entwicklung der ländlichen Räume besser zu nutzen, wird eine systematische Abstimmung und Integration mit anderen Maßnahmen deutscher, lokaler und internationaler Akteure empfohlen.

Themen der Landnutzungsplanung sind auf den Philippinen in unterschiedlichen Behörden angesiedelt, was zu überlappenden Zuständigkeitsbereichen und hohe Abstimmungskosten führt.

Trotz erzielter Verbesserungen in der Behördenkooperation ist eine umfassende Landnutzungsplanung weiterhin erschwert. Politische Strukturen und Rahmenbedingungen sollten geschaffen werden, die es ermöglichen, die geplanten Ziele auf lokaler Ebene rechtssicher umzusetzen, durchzusetzen und den Datenaustausch zwischen Behörden festzuklopfen

 

Die Evaluierung wurde 2018 abgeschlossen. Die Ergebnisse und Empfehlungen werden hier zusammengefasst dargestellt, die kompletten Ergebnisse und Implikatione sind im Bericht zu finden.

Ziele der Evaluierung

Die Wirkungsevaluierung zielte darauf ab, verlässliche Erkenntnisse zur Umsetzung und den Wirkungen von zehn Jahren umfassender Landnutzungsplanung auf Ebene der Haushalte, der Dörfer und Gemeinden zu gewinnen.

Hierfür wurde mit rigorosen Methoden der auf den Philippinen umgesetzte technische Ansatz für die umfassende und partizipative Landnutzungsplanung und Kapazitätsentwicklung untersucht. Dieser Ansatz reichte von der kommunalen bis zur nationalen Ebene und unterstützte eine dezentrale Planung, die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und die Resilienz gegenüber Naturrisiken und den Klimawandel. Mit dem gewählten methodischen Ansatz war die Evaluierung in der Lage die kombinierten Wirkungen des Landnutzungsplanungsansatzes "SIMPLE" (Sustainable Integrated Management and Planning for Local Government Ecosystems) der Philippinisch-Deutschen Zusammenarbeit und der daraus entstandenen Richtlinien zur Erstellung umfassender Landnutzungspläne (2013–14) des Housing and Land Use Regulatory Board (HLURB) der philippinischen Regierung zu messen.

Die Evaluierungsziele folgten den OECD-DAC Evaluierungskriterien:

  • Relevanz: Es soll geprüft werden, inwiefern der Ansatz zur umfassenden Landnutzungsplanung konsistent mit den aktuellen Entwicklungsplänen ist. Dazu gehört auch der Beitrag zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) als aktuelle globale Entwicklungsagenda.
  • Effektivität: Es soll ermittelt werden, inwiefern und unter welchen Bedingungen der Ansatz zur umfassenden Landnutzungsplanung die tatsächliche Landnutzungsplanung verbessert hat.
  • Entwicklungspolitische Wirksamkeit: Es soll ermittelt werden, inwiefern und unter welchen Bedingungen sich der Ansatz zur umfassenden Landnutzungsplanung in den relevanten Wirkungsfeldern auswirkt.
  • Nachhaltigkeit: Es soll die Dauerhaftigkeit des Nutzens der Intervention bewertet werden, insbesondere bezüglich der Innovationsverbreitung und der Ausweitung des Ansatzes.

Diese Evaluierungsziele führten zu den folgenden Evaluierungsfragen:

  1. In welchem Umfang und auf welche Weise hat die Intervention die Praxis und Techniken der Landnutzungsplanung verbessert?
  2. In welchem Ausmaß und auf welche Weise führte die verbesserte Landnutzungsplanung
    - zu einer tatsächlichen Änderung der Landnutzung und einer nachhaltigeren Nutzung natürlicher Ressourcen?
    - zu einer Verbesserung des Katastrophenrisikomanagements?
    - zu einer Verbesserung der lokalen Regierungsführung?
    - zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen betroffener Haushalte?

Darüber hinaus wurden Fragen zu Querschnittsthemen beantwortet:

     3. Was sind relevante Erkenntnisse in Bezug auf die Dauerhaftigkeit der Intervention und ihrer Wirkungen, insbesondere im Hinblick auf die Verbreitung von Innovationen und die horizontale und vertikale Ausweitung eines solchen technischen Ansatzes?
     4. Inwieweit ist der Ansatz der umfassenden Landnutzungsplanung konsistent mit den Entwicklungsagenden und wie trägt er zur Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele bei?

Hintergrund

Der technische Ansatz „SIMPLE“ (Sustainable Integrated Management and Planning for Local Government Ecosystems) wurde im Rahmen des Programms Umwelt und Ländliche Entwicklung (EnRD) entwickelt und von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gemeinsam mit den philippinischen Partnern verantwortet. Der Ansatz zielte auf die Verbesserung der Landnutzungsplanung und des Katastrophen-Risikomanagements. Gründe für diese Intervention waren die zuvor fragmentierte Planung und Bewirtschaftung von Land und Gewässern, die zu veralteten, inkonsistenten und unvollständigen Landnutzungsplänen bei vielen Gemeinden geführt hatten. Die Notwendigkeit der Verbesserung der Landnutzung und Landnutzungsplanung wurde dabei verschärft durch zunehmend knappe Landflächen, Land-Degradierung und ein steigendes Risiko von Natur- und Umweltrisiken auf den Philippinen.

Der SIMPLE-Ansatz setzt dabei auf eine umfassende und partizipative Landnutzungsplanung, welche alle Betroffenen am Prozess beteiligt und Landnutzungsplanung von unten nach oben, vom Dorf zur Gemeinde, organisiert. Der SIMPLE-Ansatz integriert darüber hinaus die Landnutzungsplanung über alle Ökosysteme hinweg, vom Berggipfel bis zum Meer.

Das Programm EnRD wurde offiziell im Jahr 2015 beendet. Das Housing and Land Use Regulatory Board (HLURB) der philippinischen Regierung ist die führende Behörde, um Lokalregierungen in der Vorbereitung der umfassenden Landnutzungspläne zu unterstützen und arbeitete seit Jahren intensiv mit dem EnRD-Programm zusammen. Der Ansatz der partizipativen Landnutzungsplanung und des integrierten Ökosystem-Managements, welcher partizipativen Ansätzen folgt, wurde im Rahmen der Nationalen Richtlinien zur Erstellung umfassender Landnutzungspläne (2013–14) der HLURB auf nationaler Ebene umgesetzt und erweitert; die Richtlinien wurden im November 2015 offiziell in Kraft gesetzt.

Methoden

Die Evaluierung folgte einem theoriebasierten Ansatz und fußte auf einer rigorosen Wirkungsmessung im Rahmen eines Mixed-Methods-Designs. Paneldaten einer quantitativen Mehrebenen-Befragung auf Haushalts-, Dorf- und Gemeindeebene wurden mit qualitativen Interviews und Fokusgruppendiskussionen sowie geographischen Daten verknüpft. Dies wurde durch eine Literaturauswertung und einer Dokumentenanalyse von Landnutzungsplänen ergänzt. Das initiale, methodische Design beruht auf einer Vorstudie zur ersten Runde der Datenerhebung von Garcia Schustereder et al. aus dem Jahr 2016.

Die Paneldatensätze umfassten Daten von 3.000 Haushalten, 300 Dörfern und 100 Gemeinden, von denen manche GIZ-Unterstützung durch den SIMPLE-Ansatz erhielten. Sie verteilen sich über elf Provinzen der Visayas-Regionen und wurden zu zwei Zeitpunkten erhoben (2012 und 2016). Die Methode der Wirkungsabschätzung beruht auf einem quasi-experimentellen Design, bei dem ein Propensity-Score-Matching mit zeitlich verzögerter abhängiger Variable angewandt wurde. Mit diesem Verfahren konnten ‚statistische Zwillinge‘ identifiziert werden, die auf unterschiedlichen, statistischen Merkmalen der Gemeinden, Dörfer und Haushalte basieren.

Hierdurch konnten die Wirkungen der komplexen Intervention zur Landnutzungsplanung attribuiert und die Wirkungen der Intervention methodisch rigoros gemessen und bewertet werden. Untersucht wurden die Auswirkungen auf eine Vielzahl von Indikatoren auf Haushalts-, Dorf- und Gemeindeebene in fünf inhaltlichen Wirkungsfeldern.

Team

  • Dr. Gerald Leppert Ehemals Senior-Evaluator - Teamleitung DEval
  • Dr. Lena Hohfeld Ehemals Evaluatorin DEval
  • Dr. Malte Lech Ehemals Evaluator, DEval
  • Dr. Thomas Wencker Evaluator - Teamleitung
  • Dr. Melody Garcia Schustereder Ehemals Beraterin DEval

Kontakt

Portrait Sven Harten
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Dr. Sven Harten

Leiter Kompetenzzentrum Methoden / Stellvertretender Direktor

Telefon: +49 (0)228 336907-950

E-Mail: sven.harten@DEval.org

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