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Instrumente und Strukturen der EZZusammenarbeit mit der PrivatwirtschaftAbgeschlossen

Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft – das Programm develoPPP.de

Mit dem Programm develoPPP.de bietet das Bundesentwicklungsministerium Unternehmen, die sich in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit engagieren möchten, finanzielle und fachliche Unterstützung. Die Wirkungen dieser Kooperation sind allerdings umstritten. Das DEval hat untersucht, ob die Kritik berechtigt ist.

Die Kooperation zwischen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) und Privatwirtschaft gewinnt auf internationaler Ebene seit vielen Jahren an Bedeutung. Unternehmerische Kreativität und Innovationskraft werden zunehmend als zentrale Voraussetzungen gesehen, um globale entwicklungspolitische Ziele zu erreichen.

Auch in der deutschen EZ hat die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft eine lange Tradition. Bereits in den 1990er Jahren wurden Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft als öffentlich-private Partnerschaften konzipiert, um Unternehmen in die EZ einzubinden. Dadurch sollten privatwirtschaftliche Erfahrungen und komparative Vorteile genutzt werden, um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Partnerlandes voranzutreiben.

Befürworter*innen der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft sehen in ihr ein wichtiges Instrument für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung in den Partnerländern. Kritische Stimmen aus Politik und Zivilgesellschaft mahnen jedoch, dass von dieser Kooperation hauptsächlich die Unternehmen profitieren. Inwieweit Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft tatsächlich zu den genannten entwicklungspolitischen Zielsetzungen beitragen oder ob sie möglicherweise auch negative Effekte hervorrufen, ist bislang wenig belegt.

Das develoPPP.de-Programm wurde 1999 vom Bundesentwicklungsministerium (BMZ) aufgelegt und ist bisher das wichtigste Instrument zur Förderung von Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft. Das DEval hat die Umsetzung sowie das Wirkungspotenzial des Programms untersucht. Die Evaluierung wurde 2017 abgeschlossen.

Ergebnisse und Empfehlungen

Das develoPPP.de-Programm trägt zu einem Wissens- und Technologietransfer in Entwicklungs- und Schwellenländer bei.

Die beteiligten privatwirtschaftlichen Unternehmen wirken als Impulsgeber und Motor für Entwicklung. Das Programm sollte daher weitergeführt werden. Allerdings ist es vielen Unternehmen nicht bekannt. Es wird daher empfohlen, die Öffentlichkeitsarbeit für develoPPP.de auszudehnen, um mehr Unternehmen für die Teilnahme zu gewinnen.

 

Oft klaffen unternehmerische Ziele und entwicklungspolitische Interessen auseinander.

Während die Entwicklungszusammenarbeit marginalisierte und verletzliche Bevölkerungsgruppen in den Blick nimmt, sind diese für die Unternehmen – als Konsumenten oder auch als Produzenten –meist  nicht interessant. Daher kann nicht davon ausgegangen werden, dass das Programm per se zu inklusivem Wirtschaftswachstum und zur Verminderung der Armut in den Partnerländern beiträgt.
 

Die eingeführten Neuerungen werden von den Zielgruppen oft auch nach dem Ende der Projekte genutzt. Eine Verbreitung über die Zielgruppen hinaus findet jedoch meist nicht statt.

Zwar engagieren die Unternehmen sich nach Projektende oft auch weiterhin im Partnerland, doch wird die Zusammenarbeit mit entwicklungspolitisch relevanten Partnern dann oft heruntergefahren. Insgesamt ist das Programm in seiner derzeitigen Ausgestaltung nicht geeignet, Wirksamkeit in der Breite zu erreichen.

Die Evaluierung wurde 2017 abgeschlossen. Die Ergebnisse und Empfehlungen werden hier zusammengefasst dargestellt, die kompletten Ergebnisse und Empfehlungen sind im Bericht zu finden.

Ziele der Evaluierung

Trotz seines Umfangs und seiner politischen Sichtbarkeit wurde das develoPPP.de-Programm bisher lediglich einmal, und zwar kurz nach seiner Gründung, systematisch evaluiert. Auch im internationalen Kontext gibt es nur wenige Evaluierungen oder Studien, die sich mit Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft (EPW) auseinandergesetzt haben. Die DEval-Evaluierung des develoPPP.de-Programms sollte helfen, diese Lücke zu schließen. Die Ergebnisse der Evaluierung wurden in den politischen Konzeptionsprozess des develoPPP.de-Programms auf Programm- und auf Durchführungsebene eingespeist. Empfehlungen auf Grundlage der Ergebnisse leisten damit sowohl einen Beitrag zur Weiterentwicklung des develoPPP.de Programms als auch zu seiner Rechenschaftslegung. Die Evaluierung hat sich auf den Zeitraum 2009 bis 2015 konzentriert.

Hintergrund

Mit den weltpolitischen Veränderungen in den 1990er Jahren, insbesondere dem Ende des Ost-West-Konfliktes, wurde auch in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ein Paradigmenwechsel eingeleitet. Die damit einhergehenden weitreichenden strategisch-konzeptionellen Veränderungen ebneten den Weg für die wachsende Rolle, die der Privatsektor für das Erreichen nachhaltigen Wirtschaftswachstums und entwicklungspolitischer Ziele spielen sollte. Als ein Instrument zur Einbeziehung der Privatwirtschaft in die Entwicklungszusammenarbeit werden seit 1999 im Rahmen des develoPPP.de-Programms Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft durchgeführt. Unternehmen sollen darüber, im Sinne einer öffentlich-privaten Partnerschaft, verstärkt in die EZ eingebunden werden, um ihre Erfahrungen und komparativen Vorteile als Beitrag zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Partnerlandes zu nutzen. Seit Programmbeginn wurden weltweit mehr als 1.600 Entwicklungspartnerschaften in einer Vielzahl von Sektoren der Entwicklungszusammenarbeit umgesetzt.

Methoden

Für die Evaluierung wurde ein theoriebasierter Ansatz gewählt. Auf Grundlage der rekonstruierten Programm-Theorie des develoPPP.de-Programms wurde ein Fokus auf die Analyse zentraler Wirkungsbereiche des Programms gelegt. Im Vordergrund stand dabei die Frage, inwieweit develoPPP.de als Impulsprogramm für den Transfer von Innovationen in Entwicklungs- und Schwellenländer wirksam wird. Für die Datenerhebung wurde ein Mix an Methoden gewählt.

Die Datenerhebungsphase erstreckte sich über den Zeitraum zwischen November 2015 und April 2016. Dabei wurden 12 Fallstudien in vier Ländern durchgeführt. Zwei Unternehmensbefragungen erfolgten explorativ zu Beginn der Evaluierung und validierend am Ende der Datenerhebungsphase. Darüber hinaus wurden Expertenkonsultationen, eine Dokumenten- und Literaturanalyse sowie eine vertiefende Portfolioanalyse durchgeführt. Die Ergebnisse der Evaluierung sowie Schlussfolgerungen und Empfehlungen wurden im September 2016 den Programmverantwortlichen vorgestellt und diskutiert. Die Veröffentlichung des finalen Evaluierungsberichtes erfolgte im April 2017.

Kontakt

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E-Mail: stefan.leiderer@DEval.org

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