SustainabilityEcology and Climate

Wo gibt es weltweit Erkenntnisse über Anpassung an den Klimawandel und wo wird Geld investiert

IEU und DEval stellen neues Forschungsinstrument vor: Evidence Gap and Intervention Heat Maps of Climate Change Adaptation in Low- and Middle-Income Countries.

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Die Vereinten Nationen haben sich zum Ziel gesetzt, ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar in den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel zu investieren. In einer Kooperation haben das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) und die Unabhängige Evaluierungseinheit (Independent Evaluation Unit, IEU) des Grünen Klimafonds (Green Climate Fund, GCF) Anpassung an den Klimawandel im Hinblick darauf analysiert, wo Evidenz verfügbar ist und wo Lücken bestehen. Sie haben qualitativ hochwertige Erkenntnisse über die Anpassung an den Klimawandel in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zusammengetragen und Evidenzlücken untersucht.

Als methodische Innovation haben sie Bereiche, in denen Evidenz vorhanden bzw. nicht vorhanden ist, mit den Bereichen verglichen, in denen Deutschland und der Green Climate Fund ihre finanziellen Mittel investieren. Dieser Abgleich deutet darauf hin, dass nicht alle Investitionsentscheidungen auf gesicherten Erkenntnissen beruhen. Die Analysen liefern auch Informationen darüber, in welche Richtung das Portfolio entwickelt werden soll und wo mehr Forschung notwendig ist.

Eine Karte der Evidenzlücken (Evidence Gap Map): Das vorhandene Wissen systematisieren und Forschungslücken identifizieren

Das verfügbare Wissen über die Anpassung an den Klimawandel hat seit 2007 rapide zugenommen. Die große Menge an Informationen bedeutet aber auch, dass es schwierig ist, zwischen qualitativ hochwertiger und unzureichender Evidenz zu unterscheiden. Die Autoren sind der Meinung, dass Strategien und politische Maßnahmen auf glaubwürdiger, qualitativ hochwertiger, systematischer und nachvollziehbarer Evidenz beruhen sollten. Die Evidence Gap Map zur Anpassung an den Klimawandel in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen ermöglicht einen leicht zugänglichen und nutzerfreundlichen thematischen Überblick über die globale Evidenz. Sie ist ein wertvolles Instrument für politische Entscheidungsträger und Forscher, da sie Bereiche aufzeigt, in denen qualitativ hochwertige Evidenz verfügbar ist, und Evidenzlücken aufzeigt, bei denen weitere Forschung erforderlich ist. Diese systematische Präsentation von Evidenz unterstützt Entscheidungsträger bei der Verbesserung des Konzepts und der Umsetzung zukünftiger Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.

Karte der Interventionsmaßnahmen (Intervention Heat Map): Projekt- und Investitionsportfolios mit der Evidence Gap Map abgleichen

In der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sollten Entscheidungen über Projekte und Investitionen im Idealfall unter Berücksichtigung von Evidenz getroffen werden. Zur Ergänzung der Evidence Gap Map hat die IEU-DEval-Kooperation ein innovatives Instrument entwickelt - eine Karte der Interventionsmaßnahmen (Intervention Heat Map) -, um die globale Evidenzbasis mit den Projekt- und Investitionsportfolios der internationalen Entwicklungsakteure zu vergleichen. Der Direktor des DEval, Prof. Dr. Jörg Faust, hebt die Vorteile der Intervention Heat Map für Entscheidungsträger hervor: „Für Länder, Geber und Entwicklungsakteure kann ein Vergleich des Projekt- und Investitionsportfolios mit der verfügbaren Evidenz in einer Intervention Heat Map zeigen, ob sie in einem Umfeld operieren, für das umfangreiche oder nur geringe Erkenntnisse vorliegen. Beide Karten zusammen sind im Idealfall unverzichtbare Instrumente für politische Entscheidungsträger, um die Erkenntnisse und die Qualität der vorhandenen Evidenz zu prüfen und der Generierung neuer Evidenz für die Anpassung an den Klimawandel eine höhere Priorität einzuräumen.“

Die Evidenzbasis ist nicht statisch, sondern nimmt ständig zu

Während die Evidence Gap Map die globale Evidenz über die Wirksamkeit von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel abbildet und somit Schlussfolgerungen auf globaler Ebene zulässt, basiert die Analyse der Intervention Heat Map auf den Portfolios Deutschlands und des GCF und liefert somit nur Schlussfolgerungen für diese beiden Akteure. Die Leiterin der unabhängigen Evaluierungseinheit des GCF, Dr. Jyotsna Puri (Jo), sieht daher weiteren Forschungsbedarf: „Um umfassendere Schlussfolgerungen ziehen zu können, die von anderen Organisationen genutzt werden können, sind weitere Intervention Heat Maps notwendig, die Informationen über Investitionen und Portfolios enthalten. Evidence Gap Maps helfen dabei, die Generierung neuer Evidenz stärker zu forcieren. Wenn wir jedoch zusätzlich einen Abgleich mit Heat Maps vornehmen, können wir besser einschätzen, wo Einrichtungen bei ihrer Entscheidungsfindung weitaus evidenzbasierter vorgehen können. Es ist ebenso wichtig, die Evidenzbasis nicht als statisch, sondern als im Wachstum befindlich zu betrachten. Daher müssen Evidence Maps und Heat Maps regelmäßig aktualisiert werden. Hierbei handelt es sich um ein wichtiges globales Gut, das von der Weltgemeinschaft genutzt werden kann. Es liegt in der Zuständigkeit von Einrichtungen wie der IEU und dem DEval, diese ständig zu aktualisieren und unseren Kolleg*innen auf der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen, aber auch andere Akteure sollten sich diesen Bemühungen anschließen.“

Die Daten

Für die Evidence Gap Map wurden 464 Publikationen aus den Jahren 2007-2018 im Detail untersucht. Bei den Publikationen handelte es sich sowohl um von Experten begutachtete wissenschaftliche Studien als auch um sogenannte graue Literatur. Für die Intervention Heat Map wurden die Klimawandel-Anpassungsportfolios des GCF und der deutschen bilateralen internationalen Zusammenarbeit untersucht, basierend auf der Liste der vom GCF investierten Mittel und den OECD-CRS-Daten für von Deutschland durchgeführte Projekte.

Die Ergebnisse der Evidence Gap Map können in einer interaktiven Online-Sammlung abgerufen werden: https://egmopenaccess.3ieimpact.org/evidence-maps/adaptegmieu

Die vorgeschlagene Zitierweise lautet: Doswald, N., L. Sánchez Torrente, A. Reumann, G. Leppert, K. Moull, J.J. Rocío Pérez, A. Köngeter, G. Fernández de Velasco, S. Harten and J. Puri. (2020), Evidence Gap and Intervention Heat Maps of Climate Change Adaptation in Low- and Middle-Income Countries, DEval Discussion Paper 2/2020, German Institute for Development Evaluation (DEval) and Green Climate Fund Independent Evaluation Unit, Bonn, Germany and Songdo, South Korea.

 

Über die IEU-GCF

Die Independent Evaluation Unit (IEU) wurde vom Vorstand des Green Climate Fund (GCF) als unabhängige Einheit eingerichtet, um objektive Bewertungen der Ergebnisse, Effektivität und Wirksamkeit des GCF und seiner Fördermaßnahmen zu ermöglichen. Die IEU erfüllt diesen Auftrag durch Evaluierung, Schulung und Kommunikation, Beratung und Kapazitätsförderung sowie Engagement mit verschiedenen Akteur*innen. Die IEU hat rund 30 Mitarbeiter*innen und wird von Dr. Jyotsna Puri (Jo) geleitet.

Seit August 2018 gibt es einen technischen und wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch über die Evaluierung der Anpassung an den Klimawandel zwischen der IEU-GCF und dem DEval.

Ihre Ansprechpartner

Portrait Sven Harten
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Dr. Sven Harten

Leiter Kompetenzzentrum Methoden / Stellvertretender Direktor

Telefon: +49 (0)228 336907-950

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Portrait von Jelana Vajen
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Jelana Vajen

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