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Unvorbereitete Ausstiege aus Entwicklungskooperationen gefährden erreichte Erfolge und Beziehungen

Das DEval ist der Frage nachgegangen: „Wie kann ein Ausstieg aus Entwicklungskooperationen bestmöglich gelingen, ohne erreichte Erfolge zu gefährden?"

Blick auf eine beleuchtete Autobahnausfahrt in der Nacht
© Shutterstock/ kurt

Bonn, 04. Oktober 2021 – Die Gründe für einen Ausstieg aus einer Entwicklungskooperation sind vielfältig. Langfristige strategische Überlegungen zum wirksameren Einsatz von Ressourcen können ebenso entscheidend sein wie plötzliche Krisen in einem Partnerland wie derzeit in Afghanistan. Idealerweise wird eine Kooperation dann beendet, wenn sich die Situation im Partnerland so weit verbessert hat, dass sie nicht mehr benötigt wird. Aber selbst dann birgt ein Ausstieg Risiken. Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) ist deshalb der Frage nachgegangen: „Wie kann ein Ausstieg aus Entwicklungskooperationen bestmöglich gelingen, ohne erreichte Erfolge zu gefährden?“

Erreichte Erfolge sichern

Unabhängig von den Gründen kann ein Ausstieg aus der Entwicklungszusammenarbeit negative Auswirkungen auf die betroffenen Länder, Sektoren oder Instrumente haben, insbesondere wenn er abrupt erfolgt. Die Beziehung zwischen Geber- und Partnerland kann Schaden nehmen und der Dialog auf Regierungsebene spürbar erschwert werden. Gleichermaßen kann die Reputation des Gebers leiden, während stark von der Entwicklungszusammenarbeit abhängige Länder sich vor die Herausforderung gestellt sehen, gegebenenfalls unter zeitlichem Druck alternative Unterstützung zu sichern.

Das DEval hat in einer Synthesestudie untersucht, welche Erfahrungen deutsche und internationale Akteure mit Ausstiegsprozessen aus der bilateralen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit auf Ebene von Ländern, Sektoren und Instrumenten gemacht haben und welche Forschungslücken bestehen. Die Studie liefert Empfehlungen dazu, wie sogenannte Exit-Prozesse ausgestaltet werden können, damit bereits erreichte Kooperationserfolge sowie die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Geber- und (ehemaligem) Partnerland möglichst gesichert sind.

Die Autor*innen kommen zu dem Schluss, dass dafür zwei Aspekte besonders wichtig sind: ein planvolles Vorgehen und frühzeitige Kommunikation mit betroffenen Akteuren. Dies unterstreicht DEval-Direktor Prof. Dr. Jörg Faust: „Da Exit-Prozesse Gegenstand kurzfristiger politischer Entscheidungsprozesse oder sich schnell ändernder Kontextbedingungen sein können, werden Grenzen der Planbarkeit bestehen bleiben. Ein Leitfaden für Exit-Prozesse kann aber wesentlich dazu beitragen, die Unwägbarkeiten von Exit-Prozessen abzufedern und Erfolge besser abzusichern."

Ausstiegsprozesse häufen sich, sind aber selten gut vorbereitet 

Anlass der Studie ist der Reformprozess „BMZ 2030“, in dessen Rahmen sich das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) aus 25 Partnerländern sowie einzelnen Sektoren oder Instrumenten der Entwicklungszusammenarbeit zurückzieht, wie dies auch andere internationale Geber etwa aufgrund von strategischen Überlegungen oder Budgetkürzungen vermehrt machen. Die vorliegende Studie zeigt aber, dass die analysierten Exit-Prozesse auf nationaler und internationaler Ebene nur ausnahmsweise systematisch geplant und durchgeführt werden. Exit-Strategien liegen nur in Einzelfällen vor.

Empfehlungen: Leitfaden, Kommunikation und Wissensmanagement

Das DEval empfiehlt dem BMZ, einen Leitfaden für Exit-Prozesse in der bilateralen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit zu erstellen und die Rahmenbedingungen vor Ort bei der Planung von Ausstiegsprozessen zu berücksichtigen. Bei einer politisch instabilen Lage kann das zum Beispiel bedeuten, von vornherein verschiedene Ausstiegsszenarien vorzubereiten.

Besonders wichtig ist bei jedem Exit der frühzeitige Einbezug der Partner und anderer Akteure vor Ort, wie der Durchführungsorganisationen oder der Nichtregierungsorganisationen“, betont Dr. Kim Lücking, Teamleiterin der Studie. „Dabei sollte zu einem möglichst frühen Zeitpunkt analysiert werden, für wen der Exit relevant sein könnte, welche potenziellen Konflikte existieren und wie die jeweiligen Akteure in den Prozess einbezogen werden sollten.

Zu den relevanten Akteuren gehören auch andere Geber. Die Absprache mit ihnen kann zum einen verhindern, dass sie sich zufällig zeitgleich aus demselben Sektor zurückziehen. Zum anderen kann geprüft werden, ob andere Geber einzelne Vorhaben weiterführen oder Finanzierungs- und Expertiselücken füllen können, wobei eine Übergabe an weitere Akteure vor Ort unter Umständen ebenfalls eine Option sein kann. Weiterhin wird empfohlen, die Erfahrungen des BMZ und auch anderer Geber aus vorherigen Exit-Prozessen in der bilateralen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit systematischer aufzubereiten und in zukünftigen Planungen stärker zu berücksichtigen.

Datengrundlage

Die Ergebnisse beruhen im Wesentlichen auf einem umfangreichen Literaturreview. Dieser wurde um Interviews mit Expert*innen der Entwicklungszusammenarbeit sowie eine Onlineumfrage unter Mitgliedern des Netzwerks für Entwicklungsevaluierung (EvalNet) des Entwicklungshilfeausschusses (DAC) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ergänzt. Vertiefungsstudien zu Exit-Prozessen in der bilateralen deutschen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit in Angola, Madagaskar, Senegal, Thailand und Tschad konnten die Ergebnisse der Synthesestudie anekdotisch erweitern.

Originalpublikation: Lücking, K., M. Eppler, M.S. Heinelt (2021), Exit-Prozesse in der Entwicklungszusammenarbeit, Deutsches Evaluierungsinstitut der Entwicklungs-zusammenarbeit (DEval), Bonn.

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