Entwicklungszusammenarbeit unter finanziellem Druck: Evaluierungen für effizientere Maßnahmen
Der Bericht bewertet die Qualität von Projektevaluierungen der GIZ und KfW und deren Ergebnisse zur Wirtschaftlichkeit ihrer Maßnahmen.
Bonn, 10. September 2026 – Globale Krisen in Kombination mit Mittelkürzungen erhöhen die Notwendigkeit für die Entwicklungszusammenarbeit, vorhandene Ressourcen wirksamer und effizienter einzusetzen. Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit hat die Ergebnisse von Projekt-Evaluierungen zur Effizienz deutscher Entwicklungsmaßnahmen untersucht. Trotz eines auch im Vergleich zu anderen Politikfeldern gut entwickelten Evaluierungssystems zeigt sich, dass die Qualität der Evaluierungen weiter verbessert werden sollte. Um eine wirtschaftlichere Gestaltung der Entwicklungszusammenarbeit zu ermöglichen, sollten Nachvollziehbarkeit und Gehalt von Projekt-Evaluierungen gestärkt werden.
Mit seinen Maßnahmen möchte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) effektiv Armut bekämpfen, Frieden, Sicherheit und Menschenrechte fördern und auch Beiträge zu globalen öffentlichen Gütern wie dem Klimaschutz leisten. Um diese Ziele bestmöglich zu erreichen, gilt es, die zur Verfügung stehenden Mittel nicht nur zweckmäßig und wirksam, sondern auch wirtschaftlich einzusetzen.
Die Bewertung der Wirtschaftlichkeit von Entwicklungsmaßnahmen erfolgt unter anderem mittels Evaluierungen. Sie sollen den Erfolg der Maßnahmen durch möglichst objektive und empirisch fundierte Analysen und Bewertungen erhöhen. Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) hat die Ergebnisse von 698 Projekt-Evaluierungen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der KfW Entwicklungsbank (KfW) zur Effizienz deutscher Entwicklungsmaßnahmen untersucht. Im Mittelpunkt der DEval-Untersuchung standen dabei die Qualität der Evaluierungen und die Effizienzbewertung der Entwicklungsmaßnahmen.
Die Qualität der Evaluierungen erhöhen
Um die Wirtschaftlichkeit von Entwicklungsmaßnahmen zu erhöhen, ist das Verhältnis zwischen eingesetzten Mitteln und Ergebnissen zu optimieren. Wie effizient werden die Ressourcen also genutzt? Um diese Frage belastbar zu beantworten, braucht es eine entsprechende Qualität der Evaluierungen. Bei der Qualität der Evaluierungen, Methoden und Daten zeigt die Untersuchung des DEval ein gemischtes Bild.
So wird das Verhältnis zwischen verwendeten Mitteln und erbrachten Leistungen der Maßnahmen überwiegend gut evaluiert. Wissen über das ideale Verhältnis zwischen den eingesetzten Ressourcen und den erreichten Zielen und Wirkungen einer Maßnahme ist hingegen deutlich weniger belastbar. Zum Beispiel zeigen die Evaluierungen, dass junge Menschen erfolgreich an einem Berufsbildungsprogramm teilnehmen und einen Abschluss erwerben. Inwieweit sich die eingesetzten Mittel in steigende Beschäftigungsquoten übersetzen oder sich die Einkommen der Absolvent*innen erhöhen, bleibt dabei aber offen.
Weiterhin besteht eine grundlegende Herausforderung darin, dass sich Projekt-Evaluierungen vorrangig mit dem wirtschaftlichen Einsatz von Mitteln innerhalb einzelner Maßnahmen befassen. Das ist ein wichtiger Baustein der Effizienzbetrachtung. Doch bleibt oftmals die Frage unbeantwortet, wie effizient unterschiedliche Maßnahmen mit vergleichbaren Zielen in einer Region oder einem Sektor sind. Wenn beispielsweise ein Programm Kleinstunternehmen zinsgünstige Kredite bereitstellt, geht dies mit einem entsprechenden Verwaltungsaufwand einher. Die Frage, inwieweit die Höhe der Verwaltungskosten angemessen ist, lässt sich jedoch nur im Vergleich mit ähnlichen Maßnahmen beantworten.
Die hohe Anzahl an Evaluierungen bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der KfW Entwicklungsbank (KfW) macht solche Vergleiche grundsätzlich möglich. Um die richtigen Lehren für die Gestaltung zukünftiger Maßnahmen zu ziehen, sollten vergleichende Effizienzbetrachtungen in der Evaluierungspraxis stärker als bislang zum Einsatz kommen. Entsprechend sieht Dr. Martin Noltze, verantwortlicher Teamleiter für die Untersuchung am DEval, eine sehr gute Ausgangslage für weitere Verbesserungen: „Im Vergleich der Politikfelder ist das Evaluierungssystem der deutschen Entwicklungszusammenarbeit insgesamt gut aufgestellt. Eine zweckmäßige Arbeitsteilung, etablierte Standards und eingeübte Prozesse ermöglichen es, die Evaluierungen im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen stärker in Wert zu setzen.“
Entwicklungszusammenarbeit wirtschaftlich gestalten
Das DEval hat sich bei der Analyse jedoch nicht nur mit der Qualität der Projekt-Evaluierungen, sondern auch mit deren Ergebnissen auseinandergesetzt. Damit soll die Untersuchung die Frage beantworten, wie sich Entwicklungszusammenarbeit effizienter gestalten lässt. Denn die Evaluierungen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der KfW Entwicklungsbank (KfW) bewerten die vom Entwicklungsministerium geförderten Maßnahmen als größtenteils effizient. Doch die Meta-Evaluierung des DEval konnte nur wenige Faktoren identifizieren, die dieses Ergebnis erklären.
Einen Einfluss auf die Effizienz von Projekten der finanziellen Zusammenarbeit hat zum Beispiel das Finanzvolumen der Maßnahmen. Je höher das Finanzvolumen der Maßnahmen ist, desto besser die Effizienzbewertung. Im Gegensatz dazu: Je länger eine Maßnahme dauert, desto schlechter wird ihre Effizienz bewertet. Beispielsweise lassen sich über größere Straßenbauprogramme zur Erschließung ländlicher Räume die Kosten pro Streckenkilometer optimieren. Dauert der Bau zu lange, geht die Maßnahme jedoch mit zusätzlichen Kosten und verzögerter wirtschaftlicher Entwicklung einher.
Insgesamt lässt sich die Effizienzbewertung durch die Projekt-Evaluierungen nur in geringem Maße nachvollziehen. Die Aussagekraft der Evaluierungen ist dadurch eingeschränkt. DEval-Direktor Prof. Dr. Jörg Faust betont: „Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit verfügt mit der Evaluierung über ein wirkmächtiges Instrument, um Maßnahmen wirkungs- und effizienzorientiert zu steuern und umzusetzen. Doch wir müssen noch mehr Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich Entwicklungsmaßnahmen effizienter gestalten lassen. Dafür gilt es, das Evaluierungssystem kontinuierlich weiterzuentwickeln und auch die Ergebnisse von Evaluierungen nachvollziehbarer zu gestalten.“
Über die DEval-Untersuchung
Den Gegenstand der Untersuchung bilden 698 Modul-Evaluierungen von insgesamt 932 Maßnahmen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der KfW Entwicklungsbank (KfW), die in den Jahren 2018 bis 2024 veröffentlicht wurden. Die DEval-Untersuchung besteht aus zwei Komponenten. Zum einen klassifiziert eine Meta-Evaluierung die Qualität der Projekt-Evaluierungen. Zum anderen setzt sich eine Evaluierungssynthese mit der Bewertung der Effizienz der Entwicklungsmaßnahmen auseinander und untersucht potenzielle Einflussfaktoren. Der vollständige Bericht Effizienz in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist auf der Website des DEval veröffentlicht. Eine Stellungnahme des BMZ zur Evaluierung finden Sie hier.
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