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Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit
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Kurzmeldung

16.05.2018 - PRESSEMITTEILUNG

DEval kritisiert uneinheitliche Evaluierungspraxis in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Nachhaltigkeit wird in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit uneinheitlich und unsystematisch evaluiert. Dies ergibt die vom Deutschen Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) durchgeführte aktuelle Meta-Evaluierung. Das Potenzial, aus Evaluierungen zu lernen und die Nachhaltigkeit deutscher Entwicklungsmaßnahmen zu verbessern, ist dadurch stark eingeschränkt. Zudem verwenden die staatlichen Durchführungsorganisationen ein veraltetes Konzept von Nachhaltigkeit; die Ziele und Prinzipien der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung werden unzureichend berücksichtigt. Die Evaluierung identifiziert außerdem deutliches Potential zur Erhöhung der Evaluierungsqualität; bislang steht insbesondere der Nachhaltigkeitsnachweis auf methodisch wenig belastbaren Füßen. DEval empfiehlt daher eine Überarbeitung der derzeitigen Evaluierungspraxis.

Erfolge zu messen und aus Fehlern zu lernen ist ein wichtiger Bestandteil ergebnisorientierter Politikgestaltung. Darum betreibt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit viel Aufwand, um die Wirkungen von Projekten in Partnerländern zu messen. Seit mehr als zehn Jahren steht hierbei das Thema Nachhaltigkeit im Vordergrund. Entwicklungszusammenarbeit ist nur dann erfolgreich, wenn sie nachhaltig gestaltet ist, so lautet das Credo, welches mit der Verabschiedung der Agenda 2030 und den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) weiter an Bedeutung gewonnen hat.

Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) hat die Berichterstattung zum Thema Nachhaltigkeit in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und Qualität von Evaluierungen in der bislang umfassendsten Studie seiner Art geprüft. Das DEval ist als unabhängiges Institut vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mandatiert, Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zu analysieren und zu bewerten.

Hier hat sich gezeigt, dass die Bewertung von Nachhaltigkeit unsystematisch und anhand uneinheitlicher Kriterien erfolgt. Während Nachhaltigkeit als Evaluierungskriterium fest verankert ist, schränkt die uneinheitliche Bewertungspraxis das Potenzial ein, aus Evaluierungen projektübergreifend zu lernen. DEval-Direktor Prof. Jörg Faust dazu: „Um systematisches Lernen aus Evaluierungen zu gewährleisten und Entwicklungsmaßnahmen über den Einzelfall hinaus zu verbessern muss die Nachhaltigkeitsbewertung in sich nachvollziehbar und über Evaluierungen hinweg vergleichbar sein.“

Obwohl einige Prinzipien der Agenda 2030 in den Vorgaben für Evaluierungen bereits angelegt sind, greifen die Bewertungen weiterhin insgesamt zu kurz. Das heutige Nachhaltigkeitsverständnis umfasst nicht nur die Dauerhaftigkeit von Projektwirkungen, sondern auch die Verschränkungen zwischen sozialen, ökonomischen und ökologischen Wirkungen entlang globaler Nachhaltigkeitsziele. Das DEval empfiehlt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit daher eine Reform der bisherigen Evaluierungspraxis und begrüßt einen im Verlauf dieser Evaluierung durch das BMZ zu diesem Zweck eingeleiteten Verständigungsprozess mit der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und KfW Entwicklungsbank (KfW). Dazu gehört insbesondere auch die Anpassung und Erhöhung der Verbindlichkeit einheitlicher Vorgaben für Evaluierungen, so dass diese tatsächlich für projektübergreifende Lern- und Verbesserungsprozesse genutzt werden können. Auch international laufen die Bemühungen zur Reform der Evaluierung von Nachhaltigkeit auf Hochtouren. Koordiniert wird dieser Reformprozess unter deutsche Beteiligung vom Entwicklungsausschuss der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Zudem wird generell ein hohes Potential zur Verbesserung der Evaluierungsqualität identifiziert. Gemessen an internationalen Standards liegt die Qualität von Projektevaluierungen der GIZ und KfW momentan im befriedigenden Bereich. Erkenntnisse aus Evaluierungen sind somit mit einem gewissen Maß an Unsicherheit behaftet. Das DEval empfiehlt daher die Anstrengungen zur Erarbeitung belastbarer Wirkungsnachweise durch die Festlegung einheitlicher Qualitätsstandards zu erhöhen.

Analysiert wurden in einer repräsentativen Stichprobe 513 Evaluierungsberichte der beiden größten staatlichen Akteure für die Durchführung von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit, die GIZ und die KfW.

Der Evaluierungsbericht ist auf der Webseite des DEval abrufbar.

Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) ist vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mandatiert, Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unabhängig und nachvollziehbar zu analysieren und zu bewerten. Mit seinen strategischen und wissenschaftlich fundierten Evaluierungen trägt das Institut dazu bei, die Entscheidungsgrundlage für eine wirksame Gestaltung des Politikfeldes zu verbessern und Ergebnisse der Entwicklungszusammenarbeit transparenter zu machen. Das Institut gehört zu den Ressortforschungs-einrichtungen des Bundes, beschäftigt derzeit rund 60 Mitarbeitende und wird von Prof. Dr. Jörg Faust geleitet.

Pressekontakt:

Deutsches Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval)

Sabine Bartz

Tel. +49 228 33 69 70-980

presse@DEval.org

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