Seiteninhalt
Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit
Schmuckbild Pressebereich

Kurzmeldung

07.03.2018 - Pressemitteilung zur „weltwärts“-Evaluierung

„weltwärts“-Freiwilligendienst führt nach Rückkehr zu verstärktem entwicklungspolitischen Engagement in Deutschland.

 

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes weltwärts verändern sich durch ihren Dienst dauerhaft. Sie engagieren sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland verstärkt für entwicklungspolitische Themen und beeinflussen auch ihre Eltern, Freundinnen und Freunde. Das ergibt eine kürzlich abgeschlossene Evaluierung des weltwärts-Programms durch das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval). Das Institut empfiehlt die Fortführung des weltwärts-Programms, sieht aber auch die Notwendigkeit von Verbesserungen. Zusätzliches Potenzial für Veränderungen identifiziert die Evaluierung unter anderem in der fehlenden Diversität der Freiwilligen, ein Aspekt der schon in einer 2011 veröffentlichten Evaluierung kritisiert wurde.

Freiwillige in der sogenannten „Nord-Süd-Komponente“ von weltwärts leisten einen meist einjährigen Dienst in einem Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Evaluierung belegt: Dadurch erwerben sie Wissen über ihr Einsatzland, erlernen dessen Verkehrssprache, schulen ihre Fähigkeit, sich in die Perspektive von Menschen aus ihrem Einsatzland hineinzuversetzen, und entwickeln ihnen gegenüber Empathie und positive Einstellungen. Auch Eltern sowie Freundinnen und Freunde gewinnen durch den Austausch mit Freiwilligen an Wissen und positiven Einstellungen bzw. Empathie. Rückkehrerinnen und Rückkehrer richten ihr ehrenamtliches Engagement verstärkt auf entwicklungspolitische Fragestellungen aus. Die Evaluierung zeigt zudem, dass Wissen, Kompetenzen, Einstellungen und Verhaltensmuster der Freiwilligen nach der Rückkehr auch mit zunehmendem zeitlichem Abstand zur weltwärts-Teilnahme ähnlich ausgeprägt sind.

Auf Basis der beobachteten positiven, auch längerfristig wirksamen Veränderungen empfiehlt das DEval eine Fortführung des Programms. Die mangelnde Diversität der Freiwilligen bleibt jedoch eine Herausforderung für weltwärts. Evaluatorin Laura Scheinert dazu: „An dem Programm nehmen kaum Personen ohne Abitur oder Menschen, die sich nicht der Ober- oder Mittelschicht zuordnen, teil. Die Evaluierung erkennt zwar an, dass teilweise wegweisende Maßnahmen unternommen werden, um die Teilnahme verschiedener Bevölkerungsgruppen – insbesondere von Personen mit Behinderung, mit sogenanntem Migrationshintergrund oder mit einem beruflichen Bildungsabschluss – zu ermöglichen. Trotzdem besteht in diesem Bereich weiterhin Handlungsbedarf.“

Die Evaluierung weltwärts-Freiwillige und ihr Engagement in Deutschland untersucht individuelle Veränderungen von Freiwilligen sowie ihr ehrenamtliches Engagement in Deutschland nach der Rückkehr. Erstmals wurde auch untersucht, in welchem Maße diese Veränderungen nach der Rückkehr fortdauern und inwiefern sie an Eltern und Freundinnen und Freunde der Freiwilligen weitergegeben werden. Es wurde geprüft, ob unterschiedliche Bevölkerungsgruppen an weltwärts teilnehmen und von den angenommenen positiven Effekten des Programms profitieren. Zudem wurde der Stellenwert einzelner Programmaspekte für Freiwillige und Entsendeorganisationen untersucht. Die Evaluierung stützt ihre Aussagen unter anderem auf Querschnittsbefragungen von weltwärts-Freiwilligen, einer bevölkerungsrepräsentativen Vergleichsgruppe und des privaten Umfelds der Freiwilligen. Außerdem wurden aktuelle und ehemalige Entsendeorganisationen befragt, Gruppendiskussionen mit zurückgekehrten Freiwilligen durchgeführt und dem „Gemeinschaftswerk“ weltwärts angehörende Expertinnen und Experten interviewt.

Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst weltwärts ermöglicht im Rahmen seiner Nord-Süd-Komponente jungen Erwachsenen die Teilnahme an einem Freiwilligendienst in Ländern des Globalen Südens. Umgesetzt wird weltwärts von über 150 zivilgesellschaftlichen Entsendeorganisationen und ihren Partnerorganisationen in den Einsatzländern. Seit Gründung des Programms 2007 haben bereits mehr als 30.000 junge Erwachsene an weltwärts teilgenommen. Gemessen an der Zahl der jährlichen Entsendungen und am finanziellen Umfang ist weltwärts der größte internationale Jugendfreiwilligendienst in Deutschland und einer der größten entwicklungspolitischen Jugendfreiwilligendienste weltweit.

Der Evaluierungsbericht ist auf der Webseite des DEval abrufbar.

Der Policy Brief zur weltwärts-Evaluierung ist ebenfalls auf der DEval-Webseite abrufbar.

Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) ist vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mandatiert, Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unabhängig und nachvollziehbar zu analysieren und zu bewerten. Mit seinen strategischen und wissenschaftlich fundierten Evaluierungen trägt das Institut dazu bei, die Entscheidungsgrundlage für eine wirksame Gestaltung des Politikfeldes zu verbessern und Ergebnisse der Entwicklungszusammenarbeit transparenter zu machen. Das Institut gehört zu den Ressortforschungs-einrichtungen des Bundes, beschäftigt derzeit rund 60 Mitarbeitende und wird von Prof. Dr. Jörg Faust geleitet.

Pressekontakt:

Deutsches Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval)

Sabine Bartz

Tel. +49 228 33 69 70-980

presse@DEval.org

Zurück