© Shutterstock/ Emeka Humphrey
Nachhaltigkeit Umwelt und Klima Afrika Abgeschlossen

Wirkungen der Entwicklungszusammenarbeit im Bereich der Ernährungssicherung

Diese evaluative Studie unterstützt evidenzbasierte Politikgestaltung im Themenfeld „Ernährungssicherung“. Sie analysiert die internationale verfügbare Evidenz zu Wirkungen der EZ mit Fokus auf kapazitätsstärkenden Interventionen wie Schulungen und Informationsmaßnahmen.

Die Bekämpfung von Hunger und Unterernährung ist seit Jahrzehnten eine globale Herausforderung und damit Priorität der internationalen Zusammenarbeit. Dabei ist es entscheidend zu verstehen, auf welche Weise die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) einen Beitrag zur Verbesserung der globalen Ernährungssicherung (Food security and nutrition) leisten kann. Das DEval führt eine evaluative Studie durch, die die bestehenden internationalen Erkenntnisse zu Wirkungen von kapazitätsstärkenden Maßnahmen auf die Ernährungssicherheit in Subsahara-Afrika zusammenfasst. So soll diese Studie eine evidenzbasierte Politikgestaltung im Bereich Ernährungssicherung unterstützen.

Ergebnisse und Implikationen

© Quelle: DEval/Römling et al., 2026

Die Synthese legt dar, dass sich entwicklungspolitische ICSBC-Maßnahmen positiv auf alle sechs Dimensionen der Ernährungssicherheit auswirken. Gleichzeitig ist keine der untersuchten Maßnahmen in allen Dimensionen wirksam. Jeder Maßnahmentyp erreicht positive Effekte für unterschiedliche Dimensionen. Die Grafik zeigt, welche Maßnahmentypen positive Effekte über Studien hinweg erzielen. Allein für die Stabilität der Ernährung konnte für keinen Maßnahmentypen ein signifikanter positiver Effekt gefunden werden; zumeist war aufgrund einer geringen Anzahl von Studien keine Metaanalyse möglich.

Weiterhin fand die Studie, dass kapazitätsstärkende Interventionen, die direkt Vulnerabilitäten adressieren, die Ungleichheit in der Ernährungssicherheit reduzieren. Vulnerable Bevölkerungsgruppen können jedoch nur dann von kapazitätsstärkenden Maßnahmen profitieren, wenn die grundlegenden Ursachen für ihre Vulnerabilität – beispielsweise ihre oft mangelnden Rechte, Ressourcen und Repräsentationsmöglichkeiten – adressiert werden.

Faktoren wie die Vulnerabilität gegenüber Umweltkrisen und strukturelle Ungleichheiten beeinflussen zudem die Wirksamkeit der Interventionen auf die Resilienz des Ernährungssystems. Aktivitäten zur Stärkung des Sozialkapitels wie Netzwerke und zur Stärkung der Handlungskompetenz in der Bewältigung von Krisen tragen zu einer höheren Resilienz bei. Maßnahmen mit mehreren Komponenten und Maßnahmen, die multisektoral angelegt sind, also beispielsweise sowohl die Landwirtschaft als auch nicht-landwirtschaftliche Einkommen fördern, erhöhen die Wirkungen der Maßnahmen die Resilienz des Ernährungssystems.

Implikation 1

Da kapazitätsstärkende Maßnahmen nicht für alle Dimensionen der Ernährungssicherheit gleichmäßig Wirkungen zeigen, sollten EZ-Akteure bei der Planung von Maßnahmen beachten, in welchen der Dimensionen diese prioritär Wirkungen erzielen sollen. Entsprechend sollte ein wirksamer Maßnahmentyp oder eine sinnvolle Kombination von Maßnahmen gewählt werden. Die Ergebnisse dieser Studie können dabei als Orientierung dienen.

Implikation 2

Da Ernährungssicherheit sechs Dimensionen umfasst, haben sich Maßnahmen mit mehreren Komponenten und multisektorale Ansätze für systemische Veränderungen als effektiv erwiesen, vor allem für vulnerable Bevölkerungsgruppen.

Implikation 3

Für die Erhöhung der Resilienz von Ernährungssystemen sind der Kontext und das Design der jeweiligen Maßnahme ausschlaggebend. EZ-Akteure sollten die Resilienz von Ernährungssystemen durch Maßnahmen mit mehreren Komponenten, multisektorale Maßnahmen und Maßnahmen, die die Stärkung von Sozialkapital und Handlungskompetenz einschließen, unterstützen.

Implikation 4

EZ-Akteure, die rigorose Evaluierungen in Auftrag geben oder durchführen, sowie Forschende zur Ernährungssicherung sollten stärker Fragestellungen bearbeiten, welche die Stabilität der Ernährung als Beitrag zur Resilienz des Ernährungssystems thematisieren. Das heißt, es sollte weiteres Wissen zur Wirksamkeit von kapazitätsstärkenden Maßnahmen auf die Ernährungssicherung – auch im Falle von plötzlichen Schocks oder saisonalen Ereignissen – generiert werden.

Hintergrund

Weltweit setzen sich Akteure für die Bekämpfung und Reduzierung des weltweiten Hungers ein. Konflikte, politische Instabilität, wirtschaftliche Schocks, Klimawandel und Umweltkrisen sind die Hauptursachen für Hunger und Mangelernährung. Auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) setzt sich dafür ein, die Agrar- und Ernährungssysteme effektiver, effizienter und resilienter zu gestalten. Seit 2015 liegt ein besonderer Schwerpunkt der deutschen EZ auf Ernährungssicherung, besonders im Rahmen der Sonderinitiative „EINEWELT ohne Hunger“/„Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme“.

Ernährungssicherung setzt sich laut der hohen Expertenkommission des Welternährungsausschusses der Vereinten Nationen aus sechs Säulen zusammen: Verfügbarkeit, Zugang, Nutzbarkeit, Stabilität, und seit einigen Jahren zusätzlich Nachhaltigkeit und Handlungskompetenz (Agency).

Es wird als immer wichtiger angesehen, insbesondere die Handlungskompetenz der potenziell betroffenen Menschen im Ernährungssystem zu verbessern, um den Hunger nachhaltig zu bekämpfen. Die Handlungskompetenz ist die Kapazität, eigene Entscheidungen über Nahrungsmittelproduktion und Konsum zu treffen. Dies kann insbesondere über Maßnahmen gelingen, die Ernährungswissen vermitteln und Kapazitäten zur Nahrungsmittelproduktion stärken, wie eine Beratung zu klimaangepassten Anbaumethoden für Landwirt*innen oder Ernährungsberatung für Mütter.

Ziele

Die evaluative Studie hat das Ziel, strategisch relevante Erkenntnisse für Entscheidungstragende der deutschen EZ bei der Entwicklung von Strategien und Maßnahmen zu liefern, um die Wirksamkeit der EZ im Bereich Ernährungssicherung in den Partnerländern zu erhöhen. Diese Studie soll somit eine evidenzbasierte Politikgestaltung für Akteure in der EZ ermöglichen und institutionelles Lernen befördern.

Entsprechend der strategischen Bedeutung der Säule der Handlungskompetenz sowie der aktiven Beteiligung von Individuen und Gemeinschaften in ihren Ernährungssystemen lag der Studienschwerpunkt auf Maßnahmen der EZ, die das Wissen, die Kompetenzen und die Fähigkeiten dieser Gruppen stärken sollen. Die Studie sollte die entstehenden Wirkungen bei Nahrungsproduzent*innen und Konsument*innen aufzeigen. Zum Beispiel wie sie Entscheidungen über ihre Ernährungssysteme treffen und wie sich dies auf ihre Lebensmittelversorgung und ihre Ernährungssituation auswirkt. Als Beitrag zum institutionellen Lernen zielte die Studie darauf ab, zu veranschaulichen, welche Maßnahmentypen zu welchen Zielen oder Wirkungen beitragen.

Methoden

In Kooperation mit der International Initiative for Impact Evaluation (3ie) führte das Evaluierungsteam ein Rapid Evidence Assessment zu Wirkungen von kapazitätsstärkenden Maßnahmen auf Ernährungssicherung durch.  Ein Rapid Evidence Assessment ist eine Form des Systematic Reviews. Für das Assessment wurden quantitative Studien der Evidence Gap Map „Food Systems and Nutrition“ aus den Jahren 2010 bis 2024 in einer Metaanalyse zusammengefasst. Zusätzlich wurden im Rahmen einer Moderatorenanalyse Unterschiede der Wirkungen abhängig von Kontextfaktoren und Zielgruppen der Maßnahmen untersucht.

In einer qualitativen Analyse wurden Evaluierungsberichte und Studien von deutschen und internationalen EZ-Akteuren sowie weitere wissenschaftliche Literatur ausgewertet, um zusätzliche Erkenntnisse (i) zur Kombination von Maßnahmen, (ii) zur Wirksamkeit der Maßnahmen für vulnerable Bevölkerungsgruppen und (iii) zu den Wirkungen der Maßnahmen auf die Resilienz der Ernährungssysteme zu gewinnen.

Die Studie wurde entsprechend den DEval-Standards von einer Referenzgruppe begleitet. Diese bestand aus Vertreter*innen des BMZ, der Durchführungsorganisationen, der Zivilgesellschaft und weiteren (wissenschaftlichen) Expert*innen.

 

Kontakt

Portrait von Dr. Cornelia Römling
© DEval

Dr. Cornelia Römling

Senior-Evaluatorin - Teamleitung

Telefon: +49 (0)228 336907-996

E-Mail: cornelia.roemling@DEval.org

Portrait von Amélie Gräfin zu Eulenburg
© DEval

Amélie Gräfin zu Eulenburg

Abteilungsleiterin: Nachhaltige Wirtschafts- und Sozialentwicklung, Integritätsbeauftragte

Telefon: +49 (0)228 336907-930

E-Mail: amelie.eulenburg@DEval.org

nach oben