Länderportfolioevaluierung Peru
In der Länderportfolioevaluierung (LPE) Peru untersucht das DEval das BMZ-Portfolio, das von 2010 bis 2022 durch die staatlichen Durchführungsorganisationen über Programme und Projekte umgesetzt wurde.
LPEs analysieren und bewerten die Relevanz und Wirksamkeit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) auf der Länderebene. Zudem untersuchen sie die Steuerung des Länderportfolios durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
In Peru arbeitete das BMZ im Untersuchungszeitraum in drei Themenbereichen: „Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen bzw. Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen“, „Nachhaltige Stadtentwicklung in Zeiten des Klimawandels bzw. Klima und Energie, Just Transition“ sowie „Demokratie, Zivilgesellschaft und öffentliche Verwaltung bzw. Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt“. Zusätzlich unterstützte das BMZ weitere Projekte im sogenannten Gestaltungsspielraum oder Regional- und Globalvorhaben, zum Beispiel um Themen zu pilotieren. Das Ministerium widmete sich beispielsweise Themen wie Anpassung an den Klimawandel, Ökoeffizienz, Justiz oder Gender.
Finanziert wurde das Länderportfolio über die Haushaltstitel der bilateralen technischen und finanziellen Zusammenarbeit, der Sonderinitiativen und der Übergangshilfe. Geografisch steuerte das BMZ EZ-Projekte und -Programme in allen Regionen Perus. In der Stadtentwicklung fokussierte das BMZ neben der peruanischen Hauptstadt Lima insbesondere die Sekundärstädte Trujillo, Arequipa oder Piura.
Ergebnisse und Empfehlungen
- Empfehlung 1
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Das BMZ engagiert sich in Peru insbesondere in den Bereichen Klima, Biodiversität und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Angesichts sich verschlechternder wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen sowie stockender Entwicklungsfortschritte sollte das BMZ allerdings sein Länderportfolio strategisch neu ausrichten. Das DEval empfiehlt dem Entwicklungsministerium, die inhaltliche Ausrichtung auf Klima- und Biodiversitätsschutz beizubehalten. Gleichzeitig sollte das Ministerium die Eigenverantwortung der peruanischen Partnerregierung stärken sowie staatliche Kapazitäten und Strukturen für die Umsetzung von Reformen gezielt fördern.
- Empfehlung 2
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Die BMZ-finanzierte staatliche EZ konnte auf nationaler Ebene staatliche Institutionen stärken und Reformen unterstützen. Aufgrund des starken Zentralismus hat der peruanische Staat diese Reformen allerdings auf subnationaler Ebene noch nicht vollständig und wirksam umgesetzt. Das Entwicklungsministerium sollte eine territoriale Entwicklung fördern, die strukturelle Ungleichheiten zwischen den Regionen adressiert. Das DEval empfiehlt dem BMZ und den Durchführungsorganisationen daher, ihre EZ-Programme stärker auf nationale sowie subnationale Entwicklungsbedarfe auszurichten. Zudem sollten die Programme strukturelle Entwicklungshemmnisse in den Regionen aufgreifen.
- Empfehlung 3.1 und 3.2
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Durch die gute interne Komplementarität und Kohärenz konnte das Entwicklungsministerium das Profil des Portfolios schärfen und gesetzte Ziele erreichen. Gleichzeitig sind die EZ-Programme zum Teil fragmentiert sowie Ziele und Indikatoren konzeptionell schwach definiert. Beides erschwert eine wirkungsorientierte Steuerung des Länderportfolios Peru. Das DEval empfiehlt dem Entwicklungsministerium deshalb, die interne Kohärenz des Portfolios zu sichern. Das BMZ sollte Einzelvorhaben besser integrieren, um eine Fragmentierung zu reduzieren. Darüber hinaus sollte das Ministerium die strategische Fokussierung der EZ-Programme durch messbare Ziele und Indikatoren schärfen.
- Empfehlung 4
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Das BMZ setzt im Länderportfolio Peru unterschiedliche Finanzierungsinstrumente ein und kombiniert Technische (TZ) mit Finanzieller Zusammenarbeit (FZ). Dadurch konnte das Entwicklungsministerium teilweise Synergien erzielen. Die diesbezüglichen Potenziale hat es jedoch nicht immer ausgeschöpft. Das DEval empfiehlt dem Ministerium, seine Instrumente noch stärker komplementär einzusetzen und TZ und FZ noch enger zu verzahnen. Außerdem sollte das BMZ angestrebte Synergien im Rahmen des Programmmonitorings regelmäßig überprüfen.
- Empfehlung 5
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Die BMZ-finanzierte staatliche EZ in Peru hat bislang überwiegend projektbezogen mit anderen EZ-Akteuren kooperiert. Angesichts sich verschlechternder wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen in Peru sowie knapper werdender Ressourcen ist der Ausbau der Partnerschaften mit anderen EZ-Akteuren, wie unter anderem der Team Europe Initiative, wichtig. Das DEval empfiehlt dem BMZ, die Kooperation mit anderen deutschen Bundesministerien, internationalen Gebern sowie Partnern aus Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft gezielt voranzutreiben. So kann das Ministerium Ressourcen effizienter bündeln und gemeinsame entwicklungspolitische Ziele wirkungsvoller erreichen.
- Empfehlung 6
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Der Nutzungsdruck auf natürliche Ressourcen steigt. Deshalb sollte das Entwicklungsministerium Peru im Biodiversitäts- und Waldschutz langfristig unterstützen, um erzielte Fortschritte abzusichern und Rückschritte zu verhindern. Kooperationen mit anderen Gebern und Akteuren aus der Privatwirtschaft bieten dabei vielversprechende Ansätze, um Mittel zu bündeln und die Wirksamkeit der Maßnahmen zu stärken. Das DEval empfiehlt dem BMZ und den Durchführungsorganisationen darum, den bestehenden Förderansatz in den Bereichen Biodiversität und Wald fortzuführen. Das Ministerium sollte gezielter mit anderen Gebern sowie Akteuren aus Privatsektor und Zivilgesellschaft kooperieren. Dabei sollte es die sozioökonomischen Bedarfe und Rechte lokaler und vulnerabler Bevölkerungsgruppen verstärkt berücksichtigen.
- Empfehlung 7
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Das BMZ engagiert sich im EZ-Programm in einer Vielzahl von Modulen, die unterschiedliche Themen bearbeiten und die Verantwortliche in der Implementierung teilweise isoliert voneinander umsetzen. Dies erschwert eine strategisch fokussierte Steuerung und schöpft vorhandene Reformpotenziale, etwa im Verkehrs- und Transportsektor, nicht vollständig aus. Das DEval empfiehlt dem Entwicklungsministerium daher, sein Engagement im Bereich nachhaltige Stadtentwicklung inhaltlich stärker zu bündeln. Es sollte die Anzahl der Module reduzieren und sein Monitoring verbessern, um Informationen zu den erzielten Wirkungen bereitstellen zu können.
- Empfehlung 8
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Thematisch fokussiert sich das Entwicklungsministerium im EZ-Programm auf die Annäherung an OECD-Standards. Dadurch kann es an wichtige Prioritäten der peruanischen Regierung anknüpfen und Synergiepotenziale mit den anderen Kernthemen des Portfolios ausschöpfen. Darüber hinaus kann das Ministerium durch die Förderung staatlicher Institutionen die territoriale Entwicklung stärken und Reformen auf subnationaler Ebene unterstützen. Das DEval empfiehlt dem BMZ und den Durchführungsorganisationen darum, sich innerhalb des Aktionsfelds „Gute Regierungsführung“ weiterhin auf Reformen im Rahmen des OECD-Beitrittsprozesses zu fokussieren. Das Entwicklungsministerium sollte das Aktionsfeld gezielt auf subnationaler Ebene fördern und weiterhin flankierend zu den anderen Kernthemen des Länderportfolios umsetzen.
Hintergrund
Die peruanisch-deutsche Partnerschaft besteht bereits seit mehr als 60 Jahren. Im Untersuchungszeitraum haben beide Länder gemeinsam an wichtigen Zukunftsthemen gearbeitet. Sie kooperierten bei dem Schutz von Biodiversität und Wäldern, dem Klimaschutz und der Anpassung an den Klimawandel, der nachhaltigen Stadtentwicklung sowie der Förderung guter Regierungsführung. Bekräftigt wird dieser Fokus auf die Bewältigung globaler Herausforderungen – insbesondere in den Bereichen Klima- und Artenschutz – durch die Einstufung Perus als Globaler Partner im Jahr 2020.
Ziele
Die LPE erfasst relevante Informationen über die Relevanz und Wirksamkeit der BMZ-finanzierten und -gesteuerten EZ in Peru zwischen 2010 und 2022. Diese Evidenzbasis soll die Transparenz und Rechenschaftslegung der deutschen EZ stärken. Zudem soll sie dem BMZ Informationen für die strategische Planung und Steuerung seines Länderportfolios in Peru liefern und zum strategischen Lernen beitragen.
Methoden
Der theoriebasierte Ansatz der LPE Peru kombiniert theoriebildende und -prüfende Methoden zur Bewertung des BMZ-Länderportfolios entlang der Evaluierungskriterien des OECD Development Assistance Committee. Die strategische Steuerung (Relevanz, Kohärenz, Effizienz) des BMZ wird über systematische Kontext-, Geber- und Portfolioanalysen untersucht. Ergänzend werden strategische Dokumente ausgewertet und semi-strukturierte Interviews mit relevanten Akteuren geführt.
Ausgangspunkt der Wirksamkeitsbewertung (Effektivität, Impact, Nachhaltigkeit) bildet eine rekonstruierte Theorie des Wandels, die aufzeigt, wie das BMZ-Engagement zu den angestrebten Wirkungen führen soll. Mittels der Most-Significant-Change-Methode werden narrative Interviews mit Vertreter*innen peruanischer und deutscher Institutionen geführt, um Wirkungsannahmen zu identifizieren.
Team
- Kirsten Vorwerk Senior-Evaluatorin - Teamleitung
- Miriam Nikitka Evaluatorin
- Michèle Kiefer Evaluatorin
- Benjamin Back Ehemals Evaluator DEval
Kontakt
Kirsten Vorwerk
Telefon: +49 (0)228 336907-971
E-Mail: kirsten.vorwerk@DEval.org
Dr. Kerstin Guffler
Telefon: +49 (0)228 336907-978
E-Mail: kerstin.guffler@DEval.org