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Evaluierung zur Unterstützung von Partnerländern im Bereich entwaldungsfreier Lieferketten

Nachhaltige, entwaldungsfreie Lieferketten sollen dabei helfen, globale Wälder zu schützen, Biodiversität zu erhalten und damit wichtige menschliche Lebensgrundlagen zu sichern. Das DEval evaluiert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit zur Förderung entwaldungsfreier Lieferketten.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) fördert seit vielen Jahren entwaldungsfreie Agrarlieferketten. Darunter versteht man, dass kein Wald (mehr) für die Produktion landwirtschaftlicher Rohstoffe gerodet wird. Die EZ leistet zum Beispiel Unterstützung, um die Transparenz in Lieferketten zu erhöhen, Rückverfolgung zu gewährleisten und die entwaldungsfreie Produktion von Agrarrohstoffen in Partnerländen zu stärken. Das DEval evaluiert diese Maßnahmen auf ihre Relevanz, Kohärenz und Effektivität.

Denn entwaldungsfreie Lieferketten sind durch die EU-Verordnung über entwaldungsfreie Erzeugnisse (EU Deforestation Regulation, EUDR) verstärkt in den Fokus der öffentlichen Debatte gerückt. Die Verordnung schränkt die Einfuhr von Produkten aus den Warengruppen Rinder, Kakao, Kaffee, Soja, Holz, Kautschuk und Ölpalme in den europäischen Markt ab Dezember 2026 ein, es sei denn, sie wurden nachweislich ohne Entwaldung produziert. Artikel 30 sieht vor, dass die EU und ihre Mitgliedsstaaten die Erzeugerländer beim Waldschutz und gleichzeitig bei der Umsetzung der EUDR unterstützen. In der Evaluierung wird daher einerseits betrachtet, wie die EZ in der Vergangenheit entwaldungsfreie Lieferketten unterstützte. Andererseits soll sie Hinweise geben, welche Prioritäten sich zukünftig für die deutsche EZ aus der EUDR ergeben.

Hintergrund

Unter Entwaldung versteht man die Abholzung von Waldflächen, um sie für andere Zwecke zu nutzen, etwa für die Landwirtschaft oder den Siedlungsbau. Von 1990 bis 2020 gingen laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) 420 Millionen Hektar Wald durch Abholzung verloren; dies ist eine Fläche so groß wie die EU. Etwa 90 Prozent des Verlustes ist auf industrielle Landwirtschaft zurückzuführen, vorrangig in tropischen Wäldern (FAO).  

Durch die EUDR hat die EU eine Verordnung verabschiedet, die Entwaldung durch landwirtschaftlichen Lieferketten eindämmen soll. Sie beinhaltet Sorgfaltspflichten für Unternehmen in den Mitgliedstaaten und ein Einfuhrverbot, wenn diese nicht eingehalten werden. Die Erzeugnisse Holz, Kakao, Kaffee, Kautschuk, Palmöl, Rind und Soja dürfen nicht mehr in die EU eingeführt werden, wenn sie von Flächen stammen, die nach 2020 entwaldet wurden. Dadurch verändern sich die globale Waldgovernance und die Anforderungen an alle Marktteilnehmenden, inklusiver der Erzeuger*innen in Partnerländern des BMZ. Art. 30 EUDR sieht eine Unterstützung von Erzeugerländern durch technische und finanzielle Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten und der EU vor, um Waldschutz zu fördern und die Umsetzung der Verordnung in den Erzeugerländern zu unterstützen.  

Ziel

Übergeordnetes Ziel der Evaluierung ist die Ableitung von Handlungsempfehlungen für die strategische Ausgestaltung der zukünftigen BMZ-Förderung von entwaldungsfreien Lieferketten. Die Evaluierung ist in zwei Analysestränge gegliedert:

  1. In einem ersten retrospektiven Teil wird evaluiert, wie und in welchem Umfang die deutsche EZ zur Etablierung bzw. Stärkung von entwaldungsfreien Lieferketten in ihren Partnerländern beiträgt, und wie sie ihr Engagement in diesem Bereich strategisch weiterentwickeln sollte.
  2. In einem zweiten prospektiven Teil wird analysiert, welche Prioritäten sich hinsichtlich der EUDR, insbesondere mit Blick auf Art.30 EUDR, für das zukünftige deutsche EZ-Engagement des BMZ im Bereich entwaldungsfreie Lieferketten ergeben.

Die Evaluierung hat im Oktober 2025 begonnen.

Methoden

Im ersten retrospektiven Teil der Evaluierung werden drei OECD-DAC-Evaluierungskriterien fokussiert: Relevanz, Kohärenz und Effektivität. Beim Relevanzkriterium steht die Frage im Vordergrund, ob die Maßnahmen der deutschen EZ zur Etablierung entwaldungsfreier Lieferketten bedarfsgerecht und strategisch plausibel konzipiert sind. Das Kriterium Kohärenz wird vor allem in Hinblick auf die externe Abstimmung der EZ-Aktivitäten mit anderen Gebern und Aktivitäten der Partnerländer untersucht. Die Effektivität der Förderung wird die Evaluierung daran bemessen, welche Maßnahmen des BMZ sich bei der Förderung entwaldungsfreier Lieferketten in Partnerländern in der Vergangenheit als wirksam erwiesen haben.

Im zweiten prospektiven Teil fokussiert die Evaluierung die OECD DAC-Kriterien Relevanz und Kohärenz. Bezüglich Relevanz wird untersucht, welche potenziellen Auswirkungen die EUDR-Anwendung im Partnerland hat und welche Bedarfe sich daraus ergeben sowie inwieweit die deutsche EZ bereits die identifizierten Bedarfe bereits adressiert. Im Hinblick auf Kohärenz wird analysiert, ob sich mit Blick auf Synergiepotenziale mit anderen EU-Gebern und den strategischen Rahmen zu Art. 30 EUDR strategische Anpassungen für das BMZ ergeben. Dieser Teil der Analyse wird nicht bewertet, sondern dient allein der Identifikation zukünftiger EZ-Prioritäten.

Die Analyse stützt sich auf auf einen umfangreichen theoriebasierten Ansatz und Fallstudien, sowie eine vorrangig qualitative Datenauswertung. Es kommen verschiedenen Methoden zum Einsatz. Es werden Dokumente analysiert, Interviews geführt sowie eine Literaturanalyse, eine deskriptive Portfolioanalyse und eine Online-Umfrage durchgeführt.

Kontakt

Portrait von Anna Sting
© DEval

Anna Sting

Evaluatorin - Teamleitung, Gleichstellungsbeauftragte

Telefon: +49 228-336907-319

E-Mail: anna.sting@DEval.org

Portrait von Amélie Gräfin zu Eulenburg
© DEval

Amélie Gräfin zu Eulenburg

Abteilungsleiterin: Nachhaltige Wirtschafts- und Sozialentwicklung, Integritätsbeauftragte

Telefon: +49 (0)228 336907-930

E-Mail: amelie.eulenburg@DEval.org

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