Evaluierung der Unterstützung des BMZ für die nachhaltige Reintegration im Herkunftsland nach einer Rückkehr aus Deutschland
Seit 2017 hat das BMZ seine Unterstützung im Bereich Rückkehr und Reintegration für in Deutschland lebende Migrant*innen ohne Bleiberecht oder Bleibeperspektive stark ausgebaut. Ziel des Engagements ist es, Rückehrer*innen dabei zu unterstützen, in ihren Herkunftsländern wirtschaftlich und sozial Fuß zu fassen. Aus Rückkehr soll nachhaltige Reintegration werden. Das DEval hat die Wirksamkeit der Maßnahmen des BMZ untersucht und dabei den Fokus auf Aktivitäten in den Herkunftsländern der Migrant*innen gelegt.
Im Jahr 2017 wurde ein ressortübergreifender Ansatz etabliert, um die Ausreise von Menschen ohne Bleibewunsch oder -perspektive in Deutschland zu fördern und Rückkehrer*innen bei der Reintegration in ihren Herkunftsländern zu unterstützen. Im Rahmen des 2017 initiierten Initiativthemas „Programm Perspektive Heimat“ (PPH) sollten innenpolitischen Aufgaben des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI) mit entwicklungspolitischen Komponenten verbunden werden, deren Umsetzung dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) oblag.
Ziel des Initiativthemas war es zum einen, für die lokale Bevölkerung Bleibeperspektiven vor Ort zu schaffen und die irreguläre Migration zu reduzieren. Zum anderen war das Ziel, Rückkehrer*innen dabei zu unterstützen, in ihren Herkunftsländern wirtschaftlich sowie sozial Fuß zu fassen und somit „aus Rückkehr nachhaltige Reintegration [zu] machen“. Mit der Einrichtung von Beratungszentren in Partnerländern sowie dem Ansatz, sowohl auf individueller als auch auf institutioneller Ebene Unterstützung zu leisten, ging das BMZ neue Wege in diesem politisch und operativ sehr anspruchsvollen Handlungsfeld.
Hintergrund
Vor dem Hintergrund des seit 2005 steigenden Anteils von Migrant*innen an der Weltbevölkerung ist Migration eines der am prominentesten diskutierten politischen Themen. Die weiterhin umfangreichen Migrationsbewegungen nach Europa und Deutschland und die im langfristigen Vergleich hohen Asylantragszahlen trugen auch in den letzten Jahren dazu bei, dass das Thema Migration eine der wirkmächtigsten politischen Konfliktlinien im gesellschaftlichen Diskurs markiert. In Deutschland wird vor dem Hintergrund der hohen Anzahl ausreisepflichtiger Personen unter anderem eine Ausweitung von Rückkehrprogrammen als migrationspolitisches Instrument diskutiert.
Deutschland hat sich im Rahmen der Agenda 2030 und des Globalen Migrationspakts zu Maßnahmen im Bereich Migration und nachhaltige Reintegration bekannt. Die Agenda 2030 formuliert zum Nachhaltigkeitsziel (Sustainable Development Goal, SDG) 10 „Ungleichheit in und zwischen den Ländern verringern“ das Unterziel 10.7: „Eine geordnete, sichere, reguläre und verantwortungsvolle Migration und Mobilität von Menschen ermöglichen, unter anderem durch die Anwendung einer planvollen und gut gesteuerten Migrationspolitik“. Zudem hat sich die Bundesregierung als Mitunterzeichnerin des Globalen Migrationspakts zu einer menschenwürdigen Rückkehrpolitik bekannt.
Ziele
Ziel dieser Evaluierung ist es, die durch das BMZ beauftragten Maßnahmen zur Unterstützung nachhaltiger Reintegration von Rückkehrer*innen aus Deutschland rückblickend zu bewerten und so die Grundlagen für eine evidenzbasierte Politikgestaltung in diesem Themenfeld zu verbessern. Die Evaluierung geht der Frage nach, ob und in welchem Maß die deutsche Entwicklungszusammenarbeit dazu beigetragen hat, die wirtschaftliche und soziale Teilhabe von Rückkehrer*innen in ihren Herkunftsländern zu verbessern und dadurch die Chancen auf eine nachhaltige Reintegration zu steigern. Durch die rückblickende Bewertung der beauftragten Maßnahmen zur Unterstützung der Reintegration von Rückkehrer*innen erfüllt die Evaluierung eine Rechenschaftslegungsfunktion. Darüber hinaus dienen die gewonnenen Erkenntnisse im Sinne einer Lernfunktion der Steuerung, Anpassung und strategischen Weiterentwicklung aktueller und zukünftiger Maßnahmen in diesem Themenfeld.
Methoden
Die Evaluierung folgt dem Ansatz der theoriebasierten Wirkungsevaluierung und kombiniert mehrere Datenquellen und Erhebungsmethoden in einem Mixed-Methods-Design. Die Vor-Ort-Fallstudien in Ghana, Marokko und Nordirak bildeten dabei das zentrale Element. Im Rahmen dieser Fallstudien wurden insgesamt 120 Interviews mit Rückkehrer*innen sowie 98 Interviews mit Expert*innen unter anderem aus der GIZ, von staatlichen Partnern und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) durchgeführt. Die Ergebnisse der Fallstudien wurden mit weiteren fallübergreifenden Primärdaten (z.B. aus dem Beratungszentrum-Survey und weiteren Expert*inneninterviews in Deutschland) sowie Sekundärdaten (z.B. Monitoringdaten und interne Studien der GIZ) und Programmdokumenten trianguliert. Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Themenfeld wurden mithilfe eines Rapid Evidence Review systematisch in die Evaluierung eingebracht.
Zur Beantwortung der Evaluierungsfragen hinsichtlich Impact und Nachhaltigkeit der Maßnahmen nutzte die Evaluierung die qualitative Kausalanalyse des Process Tracing. Ziel von Process Tracing ist es, einen vorab definierten Wirkmechanismus anhand empirischer Belege Schritt für Schritt zu überprüfen und somit den kausalen Wirkungszusammenhang zwischen den durchgeführten Maßnahmen und dem erzielten Outcome aufzudecken. Die detaillierte Analyse von Einzelfällen ermöglicht es herauszufinden, ob ein Wirkungszusammenhang besteht und wie dieser (oder dessen Abwesenheit) zu erklären ist.
Team
- Dr. Johannes Erler (ehem. Schmitt) Senior-Evaluator - Teamleitung
- Lena Heller Ehemals Evaluatorin DEval
- Lea Jechel Ehemals Evaluatorin Deval
- Dr. Felix Leßke Evaluator
- Dr. Gabriela Camacho Garland Gastwissenschaftlerin
Kontakt
Dr. Johannes Erler (ehem. Schmitt)
Telefon: +49 (0)228 336907-946
E-Mail: johannes.erler@DEval.org
Dr. Martin Bruder
Telefon: +49 (0)228 336907-970
E-Mail: martin.bruder@DEval.org
Weiterführende Literatur
- BMZ (2019) Perspektive Heimat. Ein Programm für Bleibeperspektiven, Rückkehr und Reintegration.
- BMZ (2022) Transformation zu globaler Nachhaltigkeit. Ressortbericht zur Umsetzung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und der SDGs
- IOM (2019) Reintegration Handbook. International Organization for Migration.