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Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit

Die Einstellungen der Bevölkerung zu Entwicklungszusammenarbeit: Auf dem Weg zu nachhaltiger Entwicklung?

Hintergrund

Die aktive Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) und die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie ist durch die Verabschiedung der Agenda 2030 aktueller denn je. Ohne eine breite Unterstützung in der Bevölkerung können die ambitionierten Ziele, die Themen wie Sicherstellung weltweiter Nahrungsmittelsicherheit, Gesundheit, Schutz der Umwelt, Geschlechtergleichstellung, Bildung und nachhaltiges Wirtschaften umfassen, nicht erreicht werden.

Auch aus einer normativen Perspektive betrachtet, ist die Unterstützung jeglicher politischer Ziele und Maßnahmen durch die Bevölkerung wichtig. So sollten staatliche Entscheidungsträgerinnen und -träger die Vorstellungen der Bevölkerung bei der Politikgestaltung berücksichtigen, um so deren Akzeptanz bzw. Legitimität zu gewährleisten, insbesondere da öffentliche Mittel verwendet werden. Dies gilt auch für die EZ als Instrument zur Umsetzung der Agenda 2030.

Ebenso sind zivilgesellschaftliche Organisationen in hohem Maße auf das Interesse und die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger in Form von Spenden und ehrenamtlichem Engagement angewiesen. Neben der Gewährleistung der Handlungsfähigkeit durch finanzielle Zuwendungen und ehrenamtliches Engagement ist die Bekanntheit und Wahrnehmung der Arbeit dieser Organisationen durch die Bevölkerung essenziell, um ein Bewusstsein für globale Zusammenhänge in der breiten Gesellschaft zu verankern und Verhaltensweisen zu etablieren, die im Einklang mit der Agenda 2030 stehen.

Die gegenwärtige Daten- und Studienlage zur Perspektive der Bevölkerung auf Entwicklungspolitik, EZ und globale nachhaltige Entwicklung ist jedoch unzureichend, vor allem vor dem Hintergrund, dass im Zuge gegenwärtiger weltpolitischer Entwicklungen (z. B. internationaler Terrorismus, globale Flüchtlingsbewegung) EZ wieder stärker in den öffentlichen Fokus rückte. Daraus resultiert ein dringender Bedarf an Wissen über den Kenntnisstand, die Einstellungen und die Verhaltensweisen der Bevölkerung in diesem Themenfeld.

Ziele der Studie

Die Studie setzt an dieser Lücke an und möchte aktuelle, unabhängige und politikrelevante Informationen über die öffentliche Meinung zum Themenfeld EZ und nachhaltige Entwicklung bereitstellen. Folgende leitende Forschungsfragen wird die Studie behandeln:

1. Welches Wissen, Einstellungen und Verhaltensweisen haben die Bürgerinnen und Bürger zum Thema der Entwicklungspolitik und -zusammenarbeit sowie globaler nachhaltiger Entwicklung?

2. Wie stellen sich Wissen, Einstellungen und Verhaltensweisen im Vergleich zu den Bevölkerungen anderer Staaten (USA, Großbritannien, Frankreich) dar?

3. Wie haben sich Wissen, Einstellungen und Verhaltensweisen in den letzten drei Jahren verändert?

4. Welche individuellen Faktoren erklären das Wissen, die Einstellungen und die Verhaltensweisen der Bevölkerung? (z. B. soziodemographische Merkmale, ideologische und parteipolitische Präferenzen, historische Ereignisse)

5. Wie lässt sich die Bevölkerung hinsichtlich ihres Wissens, Einstellungen und Verhaltensweisen typologisieren, d.h. welche Bevölkerungsgruppen lassen sich hinsichtlich dieser Merkmale sinnvoll voneinander unterscheiden?

Erstens sollen die Ergebnisse zur Reflexion über die Ausgestaltung der deutschen Entwicklungspolitik und -zusammenarbeit anregen. Ziel ist es, einen „Feedback-Loop“ zwischen der Bevölkerung und staatlichen bzw. zivilgesellschaftlichen Entscheidungsträgern zu etablieren und letztere für die Perspektiven der Bevölkerung zu sensibilisieren. Zweitens sollen die Ergebnisse der EZ-Community (u. a. zuständiger Bundestagsausschuss, Zivilgesellschaft, BMZ, Bildungsinstitutionen) als Orientierungswissen für die Reflexion der Ausgestaltung von Entwicklungspolitik und -zusammenarbeit sowie der Kommunikations- und Bildungsarbeit in diesem Bereich dienen.

Forschungsdesign

Für die Studie kommen Umfragedaten des Aid Attitude Tracker (AAT) zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine von der Bill & Melinda Gates-Foundation geförderte (Panel-)Studie des University College London (UCL), bei der seit 2013 im halbjährigen Turnus eine stets gleiche Stichprobe (jeweils rund 6.000 Personen) in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA zu EZ befragt wird. Die Studie besteht aus sich wiederholenden Kernfragen (Befürwortung EZ, Veränderung des Budgets für EZ usw.) und einmaligen Themenblöcken, die aus der EZ-Community eingespeist werden, in der Regel mit Bezug zum aktuellen politischen Geschehen (z. B. Flüchtlingsbewegungen, Islamischer Staat). Die Daten des Projekts stellen derzeit die beste Grundlage für eine Analyse der öffentlichen Meinung zum Thema dar, da die Daten erstens aktuell sind (2013 bis einschließlich Sommer 2017) und zweitens durch die Themenspezifität Einstellungen zur EZ umfassender als andere verfügbare Umfrageprojekte abbilden. Zudem erlauben sie Längsschnittanalysen und den Vergleich mit der öffentlichen Meinung zu EZ in anderen Geberstaaten. Diese Daten werden deskriptiv und inferenzstatistisch ausgewertet.

Qualitätssicherung

Die Studie wird durch eine Referenzgruppe begleitet, die sich aus Vertreterinnen und Vertretern der staatlichen und zivilgesellschaftlichen EZ-Akteure zusammensetzt. Hinzu kommt ein DEval-internes Peer-Review-Verfahren sowie die Begutachtung der Studie durch zwei externe Peer Reviewer, die über zusätzliche Expertise im Bereich innenpolitische Einflussfaktoren auf EZ und Einstellungsforschung verfügen.

Stand: September 2017