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Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit
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Bürgerinformationen

Was ist Evaluierung von Entwicklungszusammenarbeit?

Evaluieren heißt beschreiben, analysieren und bewerten. Wir verstehen unter Entwicklungsevaluierung die Beurteilung von Projekten, Programmen oder Politikmaßnahmen der internationalen Zusammenarbeit: Wie gut ist ihre Planung, ihre Umsetzung in der Praxis und wie gut sind ihre Ergebnisse? Diese Beurteilung soll systematisch und objektiv sein. Sie kann sich auf laufende oder schon abgeschlossene Vorhaben beziehen.

Umgangssprachlich gesagt geht es um die Frage: „Was kommt bei der Entwicklungshilfe heraus?“ Und: „Ist das Geld des deutschen Steuerzahlers gut angelegt?“

Bei der Prüfung der wirksamen Verwendung von Mitteln des Bundeshaushaltes ist es das Ziel der DEval-Arbeit, die deutsche Entwicklungszusammenarbeit durch Lernen aus systematisch erfassten Erfahrungen zu verbessern. Wir fragen nach der

  • Relevanz (tun wir das Richtige?),
  • Effektivität der Maßnahmen (erreichen wir die Ziele?),
  • Effizienz (erreichen wir die Ziele mit einem wirtschaftlich vertretbaren Aufwand?),
  • nach übergeordneten entwicklungspolitischen Wirkungen und
  • Nachhaltigkeit (sind die positiven Wirkungen der Maßnahme von Dauer?)

Die Messung der Effizienz, also die Abwägung von Kosten und Nutzen, ist oft besonders schwierig. Mit dieser Definition der Entwicklungsevaluierung lehnen wir uns an das Development Assistance Committee (DAC) der OECD in Paris an. Bei Interesse an weiteren Schlüsselbegriffen empfehlen wir deren Glossar.

Warum brauchen wir Evaluierung von Entwicklungszusammenarbeit?

Entwicklungsevaluierung dient der systematischen Aufbereitung von Erfahrungen in der internationalen Zusammenarbeit, um dieses Wissen für das individuelle und institutionelle Lernen zu nutzen. Dies ist besonders für das sehr komplexe Politikfeld Entwicklungszusammenarbeit eine wichtige Aufgabe und Herausforderung.

Eine weitere Aufgabe der Evaluierung ist die Rechenschaftslegung: Nur wer weiß, was wie und warum wirkt, kann die Zusammenarbeit auf Grundlage abgesicherter Erkenntnisse aktiv gestalten und Entscheidungen gegenüber den Steuerzahlern zu Hause sowie gegenüber den Empfängern von Unterstützung in unseren Partnerländern rechtfertigen.

Was sind die Aufgaben des Evaluierungsinstituts?

Die erste Säule unserer Arbeit ist der Erwerb von Wissen: Durch Evaluierungen und insbesondere Wirkungsanalysen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit finden wir mehr als bislang heraus, was wie und warum wirkt.

Die zweite Säule ist die Bereitstellung von Wissen und Werkzeugen: Um zu erforschen, was wirkt, braucht es geeignete Werkzeuge und geschulte Anwender. Daher widmen wir uns der Weiterentwicklung von Methoden und Standards, der Aufbereitung und Verbreitung von Evaluierungsergebnissen, führen Fortbildungsmaßnahmen durch und gehen nationale und internationale Kooperationen ein.

Die dritte Säule unseres Aufgabenbereichs ist die Übertragung von Wissen und Fähigkeiten: Wir wollen Institutionen in den Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit aufbauen helfen, damit unsere Partner selbst mehr Kapazität haben, hochwertige Erfolgsbewertungen von Projekten und Programmen durchzuführen.

Macht die deutsche Entwicklungszusammenarbeit denn bislang gar keine Evaluierungen ihrer Ergebnisse?

Selbstverständlich machen das zuständige Ministerium sowie praktisch alle staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen selbst schon längst Leistungsüberprüfungen und Evaluierungen. Das Bundesministerium hatte dafür bislang sein eigenes zentrales Evaluierungsprogramm. Sowohl das Ministerium wie die Durchführungsorganisationen führen die Prüfungen entweder mit Mitarbeitern der eigenen Häuser durch (interne Evaluierungen) oder beauftragen Gutachter (externe Evaluierungen). Besonders die GIZ und die KfW-Entwicklungsbank unterhalten dafür eigene Abteilungen. Aber das DEval wird für diese Aufgabe wesentlich mehr feste Mitarbeiter zur Verfügung haben und die Evaluierungen in garantierter wissenschaftlicher Unabhängigkeit vom Ministerium und den Durchführungsorganisationen durchführen können.

Was ist Monitoring, was ist Evaluierung? Macht das DEval beides?

Oft spricht man in einem Atemzug von Monitoring und Evaluierung (M & E), wenn es um die Wirkung von Entwicklungshilfe geht. Was ist der Unterschied? Vereinfacht ausgedrückt ist Monitoring die laufende Erfassung von Inputs, Prozessen, Outputs und idealerweise Outcomes von Hilfsprogrammen. Evaluierung konzentriert sich auf die Erfassung und Bewertung der Ergebnisse an ausgewählten Zeitpunkten im Projekt- oder Programmablauf: vorab / bei der Neuplanung (ex ante-Evaluierungen), zwischendrin/in der laufenden Arbeit (formative/real time-Evaluierungen), bei Beendigung (Schlussevaluierungen) oder einige Zeit nach Abschluss (ex post-Evaluierungen). Wirkungsevaluierungen zielen zudem darauf ab, die beobachteten Wirkungen der Maßnahme direkt zuzuschreiben. Da gute Monitoring-Systeme aber meist die Voraussetzung dafür sind, dass Evaluierungen überhaupt aussagekräftig sind, wird das Evaluierungsinstitut auch den Aufbau und die Verbesserung von Monitoring-Systemen unterstützen, sofern ihm das im Rahmen seines Auftrages und mit seinem Mitarbeiterstamm möglich ist. Evaluierungen ergeben daher in der Regel auch Hinweise für die Verbesserung des Monitoring.

Macht das Evaluierungsinstitut eine Verwendungskontrolle (Audit) von Steuergeldern?

Nein, die Verwendungskontrolle von Steuergeldern im Sinne einer Überprüfung der Buchhaltung von Hilfsorganisationen ist nicht die Aufgabe des Instituts. Wir prüfen nicht, ob Gelder des Bundes in den Empfängerländern ordnungsgemäß verwendet, gebucht und abgerechnet worden sind, oder ob sie eventuell zweckentfremdet oder gar unterschlagen wurden. Das ist die Aufgabe von internen und externen Buchprüfern und Rechnungshöfen. Wir überprüfen die Qualität von Entwicklungsprogrammen, ihre Ergebnisse und Wirkungen. Das ist auch eine Aussage über die Verwendung von Steuergeldern, aber auf einer anderen Ebene.

Korruption interessiert das Evaluierungsinstitut also nicht?

Wenn bei Evaluierungen Hinweise auf finanzielle Unregelmäßigkeiten auftauchen, dann müssen wir diese Informationen benennen und an die verantwortlichen Stellen weiterleiten. Das kommt bei Evaluierungen durchaus vor, vor allem, wenn sie sich mit der Messung von Effizienz und daher mit der Erfassung von Kosten (und Nutzen) beschäftigen oder wenn ihnen sogenannte whistle-blowers (Hinweisgeber) Interna zuspielen. Die Vorbeugung und Bekämpfung von Korruption beschäftigt uns auch im Blick auf die Unbestechlichkeit der Evaluierer. Wir erarbeiten dazu ein eigenes Integritäts-Konzept.

Warum sprechen wir von der Überprüfung der Entwicklungszusammenarbeit und nicht (so oft) von Entwicklungshilfe?

Die „Entwicklungszusammenarbeit“ hat in der politisch-administrativen Sprache seit vielen Jahren die „Entwicklungshilfe“ des allgemeinen Sprachgebrauchs ersetzt, um die Kooperation von gleichwertigen, wenn auch nicht gleichstarken Partnern im „Norden“ und im „Süden“ zu bezeichnen, deren Eigenleistung wir in der Zusammenarbeit würdigen. Echte Entwicklungszusammenarbeit soll die Abhängigkeit von reiner Hilfe langfristig abbauen. Ob ihr das immer gelingt, evaluieren wir besonders unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit. In der internationalen wissenschaftlichen Diskussion wird (development) „aid“ aber weitgehend synonym mit (development) „assistance“ oder  (development) „co-operation“ verwendet, sofern es um die Benennung des Politikfeldes und der Tätigkeit externer Entwicklungsberater und -finanzierer geht. Auch deutsche private Hilfsorganisationen führen keineswegs nur Not- und Katastrophenhilfe durch, sondern sind in der Entwicklungszusammenarbeit im oben bestimmten Sinne tätig.

Eine andere begriffliche Abgrenzung der neueren internationalen Diskussion ist jedoch für die Arbeit des Evaluierungsinstituts von entscheidender Bedeutung – der Begriffswechsel von „aid effectiveness“ zur „development effectiveness“. Was heißt das? Damit ist im Kern beschrieben, dass Entwicklung in Ländern der sogenannten Dritten Welt immer weniger von „Entwicklungshilfe“ im engeren Sinne abhängt, sondern zunehmend von Beiträgen der Privatwirtschaft, von anderen Ministerien der Geberländer, von internationalen privaten Stiftungen (charities), von Rücküberweisungen von Migranten in ihre Heimatländer und nicht zuletzt von Eigenanstrengungen der Empfängerländer selbst. Entwicklungsevaluierungen müssen daher verstärkt dieses Zusammenwirken verschiedener Akteure und Finanzierungsquellen erfassen. Auch das deutsche Evaluierungsinstitut muss diese komplexe Lage reflektieren. Das DEval konzentriert sich dabei auf den Anteil der deutschen bilateralen Entwicklungszusammenarbeit unter der Leitung des BMZ.