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Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit
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Kurzmeldung

19.11.2018 - PRESSEMITTEILUNG

Neuer Bericht des Evaluierungsinstituts DEval:
Erfolgreiche Kooperation zwischen Entwicklungszusammenarbeit und Privatwirtschaft braucht klares Regelwerk

Bonn, 19. November 2018 – Eine tunesische Molkerei führt Schulungen für einheimische Milchbauern durch und wird dabei von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gefördert. Durch das neue Wissen erzeugen die Bauern nicht nur mehr, sondern auch qualitativ hochwertigere Milch. Dadurch verdienen sie langfristig mehr Geld. Die Molkerei wiederum hat die Garantie, dass sie zuverlässig mit hochwertigen Rohstoffen beliefert wird.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hat zum Ziel, in ihren Partnerländern die Armut zu bekämpfen und die Ernährungssituation der Bevölkerung zu verbessern. Daher unterstützt sie Projekte wie das oben genannte – auch und besonders im Agrarsektor. Durch die Kooperationen mit privatwirtschaftlichen Unternehmen soll ein Mehrwert für die Entwicklungszusammenarbeit geschaffen werden. Doch ist das tatsächlich der Fall? Und welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit ein solcher Mehrwert entstehen kann? Dies hat ein neuer Bericht des Deutschen Evaluierungsinstituts der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) untersucht.

Zielkonflikte

Der Bericht bestätigt, dass Kooperationen mit der Privatwirtschaft grundsätzlich geeignet sind, entwicklungspolitische Ziele zu erreichen. „Unternehmerische und entwicklungspolitische Ziele sind aber in der Regel nicht deckungsgleich“, so DEval-Direktor Prof. Dr. Jörg Faust. „Sollen solche Kooperationen erfolgreich sein, müssen Geschäftsmodelle entwickelt werden, die für beide Partner von Vorteil sind. Schließlich sollen sowohl die Unternehmen als auch die entwicklungspolitischen Zielgruppen von der Zusammenarbeit profitieren.“

Mehrwert der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft unklar

Um festzustellen, wie eine solche Win-win-Situation erreicht werden kann, wurden Interviews mit Expertinnen und Experten aus Entwicklungsministerium, Durchführungsorganisationen, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft geführt. Zudem wurden zahlreiche Strategie- und Programmdokumente der deutschen Entwicklungszusammenarbeit untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass meist nicht klar beschrieben wird, warum entwicklungspolitische Ziele durch die Kooperation mit der Privatwirtschaft besser erreicht werden können als ohne die Beteiligung der Unternehmen. Auch die konkreten Aktivitäten, die von den Unternehmen im Rahmen der Zusammenarbeit erbracht werden sollen, werden nicht ausreichend dargestellt. Dazu der für die Evaluierung zuständige DEval-Experte Dr. Marcus Kaplan: „Es herrscht keine Klarheit über die Arbeitsteilung zwischen den Unternehmen und den Durchführungsorganisationen.“ Neuere strategische Dokumente wie der Marshallplan mit Afrika aus dem Jahr 2017 bekräftigen aber den Willen der Bundesregierung und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die Kooperation mit Unternehmen auszubauen. Das DEval empfiehlt dem BMZ daher, ein Grundsatzpapier zur Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft im Agrarsektor zu erstellen. Darin sollten die Vorteile und Grenzen solcher Kooperationen sowie die Rolle der Unternehmen klar dargestellt werden.

Einhaltung menschenrechtlicher Standards besser prüfen

Einige zivilgesellschaftliche Organisationen befürchten, dass es durch die Beteiligung von Unternehmen an Projekten der Entwicklungszusammenarbeit zu Menschenrechtsverletzungen kommen kann. Die Evaluierung hat ergeben, dass die aktuell zum Einsatz kommenden Prüfverfahren nicht geeignet sind, entsprechende Risiken zuverlässig zu identifizieren. Das DEval empfiehlt daher, die Prüfung menschenrechtlicher Standards und Prinzipien bei Kooperationsprojekten mit der Privatwirtschaft zu stärken. Die Verantwortung für diese Prüfung liegt bei den Durchführungsorganisationen. Gleichzeitig sind Unternehmen zunehmend angehalten, ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nachzukommen. Um den Aufwand für alle Beteiligten zu reduzieren, wird empfohlen, dass die Prüfungen von den Unternehmen und den Durchführungsorganisationen gemeinsam durchgeführt werden.

 

Der EvaluierungsberichtZusammenarbeit mit der Privatwirtschaft im Agrarsektor in der deutschen Technischen Zusammenarbeit“ sowie eine Infografik zur Evaluierung sind auf der Webseite des DEval abrufbar.

Das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) ist vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mandatiert, Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unabhängig und nachvollziehbar zu analysieren und zu bewerten. Mit seinen strategischen und wissenschaftlich fundierten Evaluierungen trägt das Institut dazu bei, die Entscheidungsgrundlage für eine wirksame Gestaltung des Politikfeldes zu verbessern und Ergebnisse der Entwicklungszusammenarbeit transparenter zu machen. Das Institut gehört zu den Ressortforschungs-einrichtungen des Bundes, beschäftigt derzeit rund 60 Mitarbeitende und wird von Prof. Dr. Jörg Faust geleitet.

Presseanfragen zum Bericht:
Dr. Martin Bruder
Tel.: +49 228 33 69 70-970
E-Mail: martin.bruder@DEval.org

Stabsstellenleitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Jelana Vajen
Tel.: +49 228 33 69 70-980
E-Mail: jelana.vajen@DEval.org

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