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Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit
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Kurzmeldung

13.03.2019 - Klimafinanzierung: Wer bekommt Finanzhilfe und wer nicht?

Immer mehr Finanzmittel werden von den Industriestaaten eingesetzt, um den Entwicklungsländern bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Ab dem Jahr 2020 sollen es mehr als 100 Milliarden US Dollar pro Jahr sein, um gefährdete Staaten bei der Anpassung an den Klimawandel sowie beim Klimaschutz zu unterstützen. Doch wie verteilen sich diese Finanzmittel und welchem Muster folgen die Anpassungshilfen? Helfen sie schutzbedürftigen Ländern, wie die Geber versprechen, oder helfen sie den Gebern, wirtschaftliche und politische Vorteile zu erzielen? Diesen Fragen ging Carola Klöck in ihrem Vortrag zu „Allokation von Entwicklungshilfe im Bereich Anpassung an den Klimawandel“ nach, welchen sie am 27.02.2019 am DEval hielt.

Klöck kommt zu dem Ergebnis, dass besonders vulnerable Staaten auch besonders häufig Finanzmittel für Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel erhalten. Dies gilt allerdings nur für physische Vulnerabilität. Ein weiterer Aspekt von Vulnerabilität ist die Adaptive Capacity eines Landes, also die Möglichkeit Anpassungsmaßnahmen umzusetzen. Diese spielt nach Klöck keine Rolle bei der Verteilung von Finanzmitteln, auch wenn Länder mit geringen Anpassungsfähigkeiten durchaus ebenfalls vulnerabel sind. Darüber hinaus spielen wirtschaftliche Interessen der Geberländer eine wichtigere Rolle als Klimavulnerabilität: Entwicklungsländer erhalten dann besonders viele Mittel, wenn sie ein wichtiger Exportmarkt eines Geberlandes sind. Der bei weitem wichtigste Faktor ist allerdings, wieviel andere Hilfe ein Land sonst von einem Geber erhält. Dies wirft für Klöck die Frage auf, ob es sich bei Anpassungshilfe tatsächlich um Ressourcen handelt, die zusätzlich von den Geberländern aufgebracht werden, oder um eine Umdeklarierung von Mitteln z.B. aus bereits bestehenden Entwicklungskooperationen.

Um sicherzustellen, dass die eingesetzten Mittel auch tatsächlich langfristig zur Anpassung an den Klimawandel beitragen, empfiehlt Klöck nicht nur physische Aspekte in der Projektplanung zu beachten, sondern auch soziale, historische und kulturelle Aspekte, sowie das Wissen der lokalen Bevölkerung mit einzubeziehen. Klöck verdeutlicht dies am Beispiel von Seemauern. Diese lassen sich relativ kostengünstig bauen und können dann bestimmte Küsten- oder Uferabschnitte vor Überschwemmungen schützen. Wenn aber keine Möglichkeiten der langfristigen Instandhaltung bestehen oder es aufgrund der Seemauern zu Erosion in anderen Gebieten kommt, dann ist der Nutzen der eingesetzten Mittel zweifelhaft und begrenzt. Als Fazit empfiehlt Klöck daher auch bei kleineren Projekten mit begrenztem Finanzrahmen einen größeren Teil der Mittel in Impact Assessment und eine Evaluierung unter Beteiligung der betroffenen Bevölkerung einzusetzen.

Carola Klöck (geb. Betzold) ist Assistenzprofessorin am Centre of International Studies (CERI) an der Sciences Po, Paris. Zuvor arbeitete sie als Akademische Rätin und Postdoktorandin an den Universitäten Göttingen, Antwerpen und Göteborg, sowie als Gastwissenschaftlerin an der Australian National University und der University of the South Pacific. Ihre Forschung beschäftigt sich mit der Politik und Finanzierung der Anpassung an den Klimawandel und der Frage inwieweit Anpassungsprojekte effektiv und nachhaltig dazu beitragen, die Vulnerabilität der Empfänger zu mindern.

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