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Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit
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Kurzmeldung

03.12.2018 - Chinas Entwicklungspolitik: keine „Schurkenhilfe“

China wird oft vorgeworfen, mit seiner Entwicklungshilfe den Zugang zu wertvollen Rohstoffen zu erkaufen und autokratische Regierungen zu unterstützen. Ein Journalist der New York Times hat 2007 dafür den Begriff „rogue aid“, oder „Schurkenhilfe“, geprägt. Dieser Vorwurf kann aber nicht bestätigt werden, so eine Schlussfolgerung von Prof. Dr. Andreas Fuchs in seinem Vortrag am DEval zu „Chinas Entwicklungszusammenarbeit und ihre Konsequenzen“.

Chinas Vergabeentscheidungen werden zwar auch durch politische und wirtschaftliche Interessen geleitet, so Fuchs, das sei aber bei den meisten westlichen Geberländern nicht anders. Insgesamt seien die Motive Chinas für die Vergabe von Entwicklungshilfe ähnlich wie die Motive der meisten OECD-DAC Geberländer: neben politischen und wirtschaftlichen Eigeninteressen gilt die Bedürftigkeit der Empfänger als Hauptmotiv. Nur das Belohnen demokratischer Institutionen in den Empfängerländern spiele bei Chinas Vergabeentscheidung keine Rolle. Für den Vorwurf, China würde gezielt undemokratische Regime durch Entwicklungshilfe unterstützen, gebe es allerdings auch keinen Nachweis.

Die mangelnde Transparenz erschwert die Untersuchung der Auswirkungen und Nebeneffekte von chinesischer Entwicklungshilfe. China veröffentlicht keine Zahlen zu seinen Entwicklungsprojekten und belegt im „Aid Transparency Index“ den letzten Platz. In der Datenbank der US-amerikanischen Forschungseinrichtung AidData wurden alle öffentlich verfügbaren Zahlen zu chinesischen Entwicklungsprojekten im Zeitraum 2000–2014 gesammelt. Die Datenbank soll weitere Forschungen zu den Wirkungen und Nebenwirkungen der chinesischen Entwicklungszusammenarbeit ermöglichen.

Prof. Dr. Andreas Fuchs ist Professor für Umwelt-, Klima- und Entwicklungsökonomie an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und Professor am Instituts für Weltwirtschaft an der Universität Kiel. Zu seinen Forschungsgebieten zählen die Handels-, Investitions- und Entwicklungspolitik mit einem besonderen Fokus auf China und anderen Schwellenländern.

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