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Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit
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Kurzmeldung

24.07.2018 - PRESSEMITTEILUNG

Die deutsche Bevölkerung befürwortet Entwicklungszusammenarbeit, bezweifelt aber ihre Wirksamkeit.

Rund 90% der Bevölkerung Deutschlands betrachten Entwicklungszusammenarbeit als wichtig, viele zweifeln aber an ihrer Wirksamkeit: Nur 10% schätzen die Wirksamkeit hoch ein, 25% glauben, dass sie nicht oder nur wenig wirkt. Das zeigt der heute vorgestellte DEval-Meinungsmonitor Entwicklungspolitik 2018 des Deutschen Evaluierungsinstituts der Entwicklungszusammenarbeit (DEval).

Die deutsche Entwicklungspolitik sollte diese Erkenntnis nutzen, um Chancen und Grenzen der Entwicklungszusammenarbeit offen zu diskutieren. Sie sollte dabei positive Wirkungen der Entwicklungszusammenarbeit genauso wie kritische Punkte aufzeigen und damit eine Basis für realistische Erwartungen der Bevölkerung an die Entwicklungszusammenarbeit schaffen, so die Empfehlung des DEval.

Die große Unterstützung der Bevölkerung für die Entwicklungszusammenarbeit ist insbesondere im internationalen Vergleich beachtenswert. Im Gegensatz zu anderen wichtigen Gebern wie Großbritannien und den USA herrscht in Deutschland ein weitgehender Konsens darüber, dass Entwicklungszusammenarbeit eine wichtige Komponente deutscher Politik ist. 40% der Bevölkerung sprechen sich sogar für eine Steigerung des deutschen Engagements in der globalen Armutsbekämpfung aus. DEval-Direktor Prof. Dr. Jörg Faust dazu: „Die deutsche Entwicklungspolitik hat die im internationalen Vergleich nicht selbstverständliche Chance, nicht  in erster Linie über das Ob der Entwicklungszusammenarbeit diskutieren zu müssen, sondern mit der Bevölkerung über das Wie der Zusammenarbeit sprechen zu können.“

Der DEval-Meinungsmonitor Entwicklungspolitik 2018 erfasst als erste umfassende Studie die Einstellungen, das Wissen und das Engagement der Bevölkerung Deutschlands zu Entwicklungszusammenarbeit und nachhaltiger globaler Entwicklung. Als Datenbasis dient der Aid Attitudes Tracker, der von der Bill & Melinda Gates Foundation finanziert seit 2013 Daten hierzu in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA erhebt. Der Meinungsmonitor liefert erste Hinweise, wie die deutsche Entwicklungspolitik mit ihrer Kommunikations- und Bildungsarbeit verschiedene Bevölkerungsgruppen besser erreichen kann.

Das Wissen der Bevölkerung über Entwicklungszusammenarbeit und globale Entwicklung ist lückenhaft, so der DEval-Meinungsmonitor. So werde etwa der finanzielle Umfang der Entwicklungszusammenarbeit überschätzt, der Rückgang globaler Armut in den letzten 25 Jahren aber deutlich unterschätzt. Zudem seien die 2015 von der Staatengemeinschaft verabschiedete Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und die darin enthaltenden 17 nachhaltigen Entwicklungsziele kaum bekannt.

Der DEval-Meinungsmonitor zeigt, dass das Meinungsbild der Bevölkerung maßgeblich von ihrer politischen Orientierung, ihrer empfundenen moralischen Verpflichtung gegenüber dem Globalen Süden und ihrer Einschätzung der Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit abhängt. Er identifiziert vier Einstellungstypen: Die „Unterstützenden“ stehen der Entwicklungszusammenarbeit umfassend positiv gegenüber (14%), die übrigen drei Einstellungstypen „Skeptiker“ (23%), „Unschlüssige“ (35%) und „Gegner“ (28%) haben unterschiedlich starke Vorbehalte – insbesondere hinsichtlich der Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit.

Das DEval wird in Zukunft weitere Studien zur öffentlichen Meinung über Entwicklungszusammenarbeit und nachhaltige Entwicklung durchführen.

 

Der DEval-Meinungsmonitor Entwicklungspolitik 2018 ist hier abrufbar.

Die zwei Policy Briefs zu den Ergebnissen der Studie finden Sie hier.

Presseanfragen zum Bericht:
Dr. Martin Bruder
Tel. +49 228 33 69 70-970
martin.bruder@DEval.org

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