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Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit

Partnerperspektiven auf die deutsche EZ (Phase II)

Hintergrund

Ausgehend von der Erklärung von Paris über die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit wird in der internationalen aid-effectiveness-Debatte besonders die Rolle der Partner hervorgehoben, insbesondere im Rahmen des „ownership-Prinzips“ (d. h. Partner setzen und implementieren ihre politischen Agenden selbstständig) und des „alignment-Prinzips“ (d. h. Entwicklungspartner richten ihre Unterstützung an Strategien, Institutionen und Prozeduren der Partner aus). Aber wie nehmen Partner „vor Ort“ aus Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, der Zivilgesellschaft sowie dem Privatsektor eigentlich die Entwicklungszusammenarbeit und im Besonderen die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wahr? Wie bewerten sie den deutschen Beitrag in Bezug auf die Nützlichkeit der zur Verfügung gestellten Informationen oder den Einfluss auf die Durchsetzung einzelner Initiativen?

Ausgangslage dieser Studie ist die in Kooperation mit AidData durchgeführte evaluative Studie „German Aid from a Partner Perspective - Experience-based Perceptions from AidData’s 2014 Reform Efforts Survey“ von AidData und dem DEval aus dem Jahr 2016 (Faust, Leiderer, Masaki, & Parks, 2016). Grundlage dieser Studie bildete die erste weltweite Umfrage der Partner „vor Ort“ durch AidData („2014 Reform Efforts Survey“). Dabei wurden die Partner gebeten ihre Wahrnehmung der Entwicklungszusammenarbeit mit einzelnen OECD/DAC-Partnerländern darzulegen. Insgesamt nahmen an der Umfrage 6.731 Personen in 126 Entwicklungsländern teil; im Bereich der deutschen Entwicklungszusammenarbeit konnten 1.227 Personen (961 aus Regierungen, 195 aus der Zivilgesellschaft, 71 aus dem Privatsektor) aus 116 Entwicklungsländern in die Analyse aufgenommen werden. Alle gaben an zwischen 2004 und 2013 mit mindestens einer Institution der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (Botschaft, GIZ, KfW) „vor Ort“ interagiert zu haben.

Die Ergebnisse dieser ersten evaluativen Studie waren aus Sicht der deutschen EZ zum Teil überraschend. So zeigten sich (mit Ausnahme des Umweltsektors) keine sektoralen komparativen Stärken der deutschen EZ gegenüber anderen DAC-Gebern. Zudem konnte aufgezeigt werden, dass die Akteure des deutschen EZ-Systems (Botschaften und staatliche Durchführungsorganisationen) von den Partnern vor Ort kaum in ihren unterschiedlichen Rollen unterschieden werden. Des Weiteren gab die Auswertung einen Hinweis darauf, dass große bilaterale Geber mit einem umfangreichen Portfolio an Partnerländern wie Deutschland als weniger einflussreich und nützlich wahrgenommen wurden als einige kleine Geber, die sich sektoral- bzw. thematisch fokussierten.

Gegenstand

Gegenstand der aktuellen, erneut in Kooperation mit AidData durchgeführten, evaluativen Studie ist die Wahrnehmung Deutschlands und anderer Geber durch Akteure in den Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit sowie die Erklärungsfaktoren für wahrgenommene komparative Stärken und Schwächen einzelner Geber – insbesondere Deutschlands – im internationalen Vergleich.

Ziele und potenzielle Forschungsfragen

Die aktuelle evaluative Studie verfolgt drei Ziele. Zum einen sollen mit Hilfe der Daten der zweiten Umfrage erneut die Wahrnehmung der Akteure in den Partnerländern in Bezug auf die deutsche Entwicklungszusammenarbeit dargestellt, diese ins Verhältnis zur Wahrnehmung von anderen OECD-Entwicklungspartnern und multilateralen Gebern gesetzt und abschließend soweit möglich erklärt werden. Konkret bedeutet dies, dass nachfolgende Fragen untersucht werden könnten:

- Wie bewerten die Partner vor Ort einzelne OECD-Entwicklungspartner, multilaterale Geber und Deutschland im Speziellen in Bezug auf ihren Einfluss auf die Entscheidung einzelne Politik-Initiativen zu verfolgen und nützliche Unterstützung für die Implementierung dieser Initiativen zu geben?

- In welchen spezifischen Sektoren und/oder Regionen waren die Wahrnehmungen der Partner besonders stark oder schwach?

- Wie stellen sich die Ergebnisse der deutschen Akteure im Vergleich zu anderen bi- und multilateralen Entwicklungspartnern dar? Wo liegen komparative Stärken und/oder Schwächen in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit?

- Welche Einflussfaktoren können die Ergebnisse erklären?

Darüber hinaus soll im Rahmen von Fallstudien mit Hilfe ausgewählter Stakeholder vor Ort eine Reflexion der Ergebnisse angestoßen und weitere Erkenntnisse über potenzielle Mechanismen erlangt werden. Dies ermöglicht es, die durch die Umfrage gewonnen Erkenntnisse mit Hilfe der Rückmeldungen einzelner Personen vor Ort besser verorten und mögliche Mechanismen aufdecken zu können. Konkret könnte diesbezüglich nachfolgende Frage beantwortet werden:

- Wie konnten in einem Sektor/in einer Region/bei einem Akteur besonders starke oder schwache Ergebnisse erreicht werden? Welche Kausalmechanismen liegen Unterschieden in der Wahrnehmung der Partner zugrunde?

Methodisches Vorgehen

Die aktuelle evaluative Studie wird ausgehend von den Erkenntnissen der Vorgängerstudie auf Grundlage der zweiten Umfrage durch AidData („2017 Reform Efforts Survey“) zunächst als Desk_Study durchgeführt und im Anschluss um ausgewählte Länderstudien ergänzt.

Im Rahmen des „2017 Reform Efforts Survey“ nahmen 3.303 Personen teil. Dabei standen Aspekte wie die Wahrnehmung der Partner hinsichtlich des Einflusses der Partnerländer auf die Verfolgung einzelner (Politik-)Initiativen oder der Nützlichkeit der Unterstützung hinsichtlich der Implementierung der Initiativen. In einem ersten Schritt sollen die Daten des „2017 Reform Efforts Survey“ äquivalent zum Vorgehen in der Vorgängerstudie (Faust, Leiderer, Masaki, & Parks, 2016) ausgewertet werden. Dabei sollen im Vergleich zur ersten Studie zusätzliche, für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit spezifische mögliche Einflussfaktoren in die Analyse aufgenommen werden, um vertiefte Kenntnisse über potenzielle erklärende Faktoren zu gewinnen (z. B. Mittelallokation, Personaleinsatz). Im zweiten Schritt sollen mit Hilfe der quantitativen Ergebnisse und basierend auf ausgewählten Forschungsfragen Länderfälle identifiziert werden. In diesen Ländern sollen mit verschiedenen Stakeholdern unter anderem Interviews durchgeführt und so die Ergebnisse der quantitativen Umfrage hinterfragt sowie Interpretationsmöglichkeiten für die Ergebnisse aufgedeckt werden. Dieses Vorgehen ermöglicht zudem weitere Erkenntnisse über die deutsche Entwicklungszusammenarbeit aus Sicht einzelner Partner (Mikroebene) und dadurch weitere Hinweise auf potenzielle Kausalmechanismen.

Fahrplan

Die evaluative Studie befindet sich in der Datenerhebungsphase.

Stand: August 2018