Seiteninhalt
Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit

Methodenforschung

Kausalmechanismen in komplexen Evaluierungen

Angesichts komplexer Programme und unterschiedlicher Evaluierungsfragen unternehmen Evaluatorinnen und Evaluatoren große Anstrengungen, die Black-Box zu öffnen und die kausalen Mechanismen zwischen Ursachen und Wirkungen aufzudecken. Insbesondere im Bereich der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sind Programme oft facettenreich, werden indirekt (über Partnerorganisationen) abgewickelt, finden in variierenden Kontexten statt und unterliegen Veränderungen sowie zeitlichen Verzögerungen. Darüber hinaus befassen sich Evaluatorinnen und Evaluatoren in der Regel mit einer großen Anzahl von Evaluierungsfragen. Dazu gehören Fragen, inwieweit ein Programm Ergebnisse erzielt hat, sowie Fragen, wie oder warum ein Programm funktioniert oder nicht.

Insbesondere in solch komplexen Evaluierungssituationen ist es nützlich, kausale Mechanismen zu untersuchen. Im Zentrum der Arbeit mit kausalen Mechanismen steht die systematische Analyse grundlegender Zusammenhänge zwischen (Elementen) eines Programms und den erwarteten Wirkungen. In formativen Evaluationen können Mechanismen ein besseres Verständnis für die Art und Weise liefern, wie komplexe Programme implementiert werden. Bei summativen Evaluierungen ermöglicht die Analyse kausaler Mechanismen glaubhaftere Aussagen über Kausalzusammenhänge zwischen Ursachen und Wirkungen.

Die (inter-)nationale Evaluierungsgemeinschaft ist sich über die Nützlichkeit von Kausalmechanismen für Evaluierung einig. Konsens besteht dahin gehend, dass kausale Mechanismen erklären, was zwischen Ursache und Wirkung vor sich geht. Kausalmechanismen generieren die beobachtete Wirkung und ermöglichen es den Evaluatorinnen und Evaluatoren, die Wirkungsweise einer Intervention zu entwirren und Fragen darüber zu beantworten, wie und warum diese wirkt.

Das Konzept der kausalen Mechanismen wird jedoch in den Evaluationsansätzen unterschiedlich angewendet. Bei Prozess-Tracing, Kontributionsanalysen und anderen Ansätzen, die mit einer Theorie-des-Wandels arbeiten, werden Kausalmechanismen als kausale Prozesse beschrieben. Mit einem breiten analytischen Fokus beschreiben sie den gesamten kausalen Prozess zwischen Ursachen und Wirkungen. Im Ansatz der Realist-Evaluierung hingegen werden so genannte Kontext-Mechanismus-Outcome Konfigurationen untersucht. Der verhaltensändernde Mechanismus wird hierbei von der Intervention ausgelöst oder verhindert. Auf der Suche nach verhaltensbezogenen und psychologischen Erklärungen analysieren statistischen Verfahren wie etwa die Mediationsanalyse so genannte „soziale Mechanismen“. Diese werden als intervenierende Variablen modelliert und getestet. Darüber hinaus sind kausale Mechanismen auch in experimentellen Designs relevant, wo mittels Variation mehrerer treatment-arms die Wirkungen unterschiedlicher Elemente einer Intervention untersucht werden können.

Ziel dieses Methodenforschungsprojektes ist es, Erfahrungen mit kausalen Mechanismen in komplexen Evaluierungen zu bündeln und die methodische Debatte weiter zu führen. Wir laden Sie herzlich ein, an der Diskussion über Mechanismen teilzunehmen. Kontaktieren sie uns und berichten Sie von Ihrer Erfahrung aus der Arbeit mit kausalen Mechanismen.