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Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit

Die Einstellung der Bevölkerung zu Entwicklungszusammenarbeit und nachhaltiger Entwicklung (Phase II): Information, Medien und Meinungsbildung

Hintergrund

Politisches Handeln benötigt gesellschaftliche Akzeptanz und Unterstützung. Entwicklungspolitik stellt hierbei keine Ausnahme dar. Besonders in Zeiten der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und den darin verankerten 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) ist gesellschaftliches Engagement und eine breite Unterstützung für Entwicklungspolitik und ‑zusammenarbeit unabdingbar. Um die 17 Ziele zu erreichen, sind neben Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft vor allem auch die Bürgerinnen und Bürger gefragt, aktiv einen Beitrag zu leisten. Vor diesem Hintergrund, aber auch angesichts nationaler und internationaler politischer Entwicklungen – wie wachsenden Populismus und die schwindende Unterstützung für multilaterale Übereinkommen und Organisationen – ist es für entwicklungspolitische Akteure nach wie vor wichtig, zu verstehen, wie die Bevölkerung sich zum Themenfeld Entwicklungspolitik, EZ und nachhaltige Entwicklung positioniert, wie sie ihre Meinung bildet und wie und in welchem Umfang sich die Bürgerinnen und Bürger entwicklungspolitisch engagieren.

Die erste Phase der DEval-Studie „Die Einstellungen der Bevölkerung zu EZ und nachhaltiger Entwicklung“ bzw. der zugehörige Studienbericht „DEval-Meinungsmonitor Entwicklungspolitik 2018 “ zeigten, dass rund 90% der Bevölkerung Entwicklungszusammenarbeit (EZ) als wichtig einstufen, rund 70% sprechen sich für größeres staatliches Engagement in der globalen Armutsbekämpfung aus. Die EZ wird aber nicht uneingeschränkt als positiv wahrgenommen. Nur rund 10% halten EZ für wirksam, etwa 25% halten EZ hingegen für unwirksam. Auch die SDGs sind in der Bevölkerung weitgehend unbekannt. Rund 50% der Bevölkerung Deutschlands hatten im Sommer 2017 noch nichts von ihnen gehört. Weniger als 10% sahen sich in der Lage, zu erklären, worum es sich bei den SDGs handle. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung den Anteil der Ausgaben für EZ am Bundeshaushalt überschätzt, während positive globale Entwicklungen zum Teil nicht oder verzerrt wahrgenommen werden. Die entwicklungspolitischen Einstellungen der deutschen Bevölkerung sind somit ambivalent, die Unterstützung der EZ steht auf einem fragilen Fundament

Ziele der Studie

Die zweite Phase der DEval-Studie baut auf den Ergebnissen der ersten Studienphase auf und adressiert in ihrer Weiterentwicklung gegenüber der ersten Studienphase insbesondere Kommentare, die das Studienteam bei der Vorstellung der Ergebnisse erhalten hat.

In der zweiten Studienphase soll erstens der Feedback-Loop zwischen Bevölkerung auf der einen Seite und staatlichen und zivilgesellschaftlichen EZ-Akteuren auf der anderen ausgebaut werden. Dazu werden zentrale Indikatoren zu Einstellungen, Wissen und persönlichem Engagement der Bevölkerung längsschnittlich fortgeschrieben. Hierzu zählen u.a. die allgemeine Unterstützung, die Wirksamkeitseinschätzung und die Zustimmung zu verschiedenen Motiven für EZ sowie das generelle Wissen über EZ und das persönliche Engagement im Themenfeld Entwicklungspolitik und EZ. Insbesondere vor dem Hintergrund der zuvor erwähnten nationalen und internationalen politischen Entwicklungen der letzten Jahre ist zu prüfen, ob und wie sich das Meinungsbild verändert.

Zweitens soll den EZ-Akteuren vertieftes Orientierungswissen über Einstellungen, Wissen und persönliches Engagement bereitgestellt werden. Im Fokus stehen dabei externe Einflüsse auf die Meinungsbildung. Ziel ist es zum einen, zu verstehen, über welche Kanäle die Bevölkerung EZ-bezogene Informationen erhält, welche entwicklungspolitischen Informationen in redaktionellen und sozialen Medien generell bereitstehen und wie sich diese Informationen auf die Meinungsbildung auswirken können. Die Studie beinhaltet deshalb (1) eine Mediennutzungsanalyse, (2) eine Medieninhaltsanalyse und (3) eine experimentelle Untersuchung, wie mediale Inhalte auf Einstellungen wirken. Darüber werden nach derzeitigem Planungsstand drei Fokusthemen adressiert: (1) Welche Erwartungen haben die Bürgerinnen und Bürger gegenüber Entwicklungspolitik (in fragilen Kontexten)? (2) Was verstehen sie unter Wirksamkeit im Kontext von entwicklungspolitischen Maßnahmen? (3) Welche Rolle spielen moralische Intuitionen bei der Einstellungsbildung?

Wie schon in der ersten Projektphase sollen die Ergebnisse es EZ-Akteuren ermöglichen, die eigene Strategie vor dem Hintergrund der öffentlichen Meinung zu reflektieren und die Kommunikations- und Bildungsarbeit informieren. Vor allem ein detaillierteres Verständnis von Informationsangebot und -aufnahme soll es erlauben, relevante Informationskanäle zu adressieren und potenzielle Informationslücken der Bevölkerung zu schließen.

Forschungsdesign

In der zweiten Studienphase ist ein breiter Daten- und Methodenmix geplant:

- Zur Fortschreibung zentraler Einstellungsmerkmale (z.B. Unterstützung der EZ, Wirksamkeitseinschätzung) werden wie schon in der ersten Phase die Daten des Aid Attitudes Tracker (AAT) bzw. des Nachfolgeprojekts Development Engagement Lab (DEL) verwendet. Dabei handelt es sich um eine von der Bill & Melinda Gates-Foundation geförderte (Panel-)Studie, bei der von 2013 bis 2018 im halbjährlichen Abstand und ab 2019 im jährlichen Abstand eine stets gleiche Stichprobe (jeweils rund 6.000 Personen) in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA zu Entwicklungspolitik, EZ und aktuellen politischen Themen befragt wird

- Für die Analyse der EZ-bezogenen Mediennutzung wird auf eine gesonderte Erhebung im Rahmen des DEL-Projektes zurückgegriffen

- Um zu verstehen, wie Entwicklungspolitik und EZ in den Medien dargestellt werden, sollen umfangreiche Textkorpora aus redaktionellen und sozialen Medien mittels Verfahren der quantitativen Textanalyse inhaltsanalytisch untersucht werden.

- Wie sich (mediale) Informationen auf die Einstellungen auswirken, wird schließlich durch Umfrageexperimente analysiert.

Diese Daten werden deskriptiv und inferenzstatistisch ausgewertet. Kernbaustein sind weiterhin grafische Darstellungen, um die Ergebnisse greifbar zu machen.

Qualitätssicherung

Die Studie wird durch eine Referenzgruppe begleitet, die sich aus Vertreterinnen und Vertretern der staatlichen und zivilgesellschaftlichen EZ-Akteure zusammensetzt. Hinzu kommt ein DEval-internes Peer-Review-Verfahren sowie die Begutachtung der Studie durch einen externen Peer Reviewer, der über weitreichende Expertise in der politikwissenschaftlichen Einstellungsforschung und quantitativer Forschungsmethodik verfügt.