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Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit

Die deutsche EZ aus Partnerperspektive – eine gemeinsame evaluative Studie von DEval und AidData (abgeschlossen)

Hintergrund

Will Entwicklungszusammenarbeit nicht nur kurzfristige, sondern auch strukturelle Wirkungen entfalten, so muss sie deutliche Bezüge zu den Politik- und Reformprozessen in den Empfängerländern haben; sei es indem sie bei deren Gestaltung mitwirkt, diese politikberatend begleitet, oder aber bei deren Implementierung einen Beitrag leistet. Eine solche Partnerorientierung als Grundlage wirksamer Entwicklungspolitik ist eng verknüpft mit den Prinzipien Ownership und Alignment als Leitmotive moderner Entwicklungszusammenarbeit. Denn der Kern des Alignment-Prinzips besteht darin, dass eine effektive Entwicklungszusammenarbeit sich stark an den Interessen der für entwicklungszuträgliche Reformen relevanten Akteure in Partnerländern aus Regierung, Verwaltung, Parlament und Zivilgesellschaft auszurichten habe. Das Ownership-Prinzip geht dabei davon aus, dass diese Akteure letztlich die Bedürfnisse und Herausforderungen der Gesellschaften besser einschätzen können als externe Akteure und auch über die Legitimation für Reformprozesse verfügen. Aus diesen Gründen beinhaltet das Ownership-Prinzip zudem auch eine Verpflichtung der Partnerländer, sich bei Reformgestaltung und -umsetzung am gesellschaftlichen Gemeinwohl zu orientieren. Die Reformbetonung und das Ownership-Prinzip werden die Entwicklungszusammenarbeit auch zukünftig mit Blick auf die „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ (Sustainable Development Goals) prägen.

Wissenslücke

Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass kaum systematische Evidenz darüber vorliegt, welche Erfahrungen die Handelnden aus Staat und Gesellschaft in Entwicklungsländern mit bi- und multilateralen Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit bei der Reformgestaltung, Politikberatung und Reformimplementierung machen.


Wie nehmen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft in Entwicklungsländern die Reformbeiträge einzelner Geber wahr? Welche Erfahrungen haben Sie mit unterschiedlichen Gebern bei Agenda-Setting, Politikberatung und Reformimplementierung und welche Stärken und Schwächen schreiben sie diesen aufgrund Ihrer Erfahrungen mit Blick auf unterschiedliche Politikfelder zu, die Gegenstand von Reformen waren? Fasst man die möglichen Impulse von externen Akteuren zudem auch als einen kreativen Wettbewerb um Ideen, Konzepte bzw. deren Implementierung auf, dann ist der skizzierte Mangel an systematischer, politikfeld- und länderübergreifender Evidenz umso verwunderlicher.

Gegenstand der Studie

Im Rahmen einer gemeinsamen evaluativen Studie mit AidData geht DEval diesen Fragen für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit nach. Grundlage der Studie bildet eine weltweite Umfrage durch AidData („2014 Reform Efforts Survey“), in deren Rahmen über 6700 Personen in 126 Entwicklungsländern aus Regierung, Zivilgesellschaft, Privatsektor, Wissenschaft und bi- und multilaterale Geber unter anderem zu ihrer Wahrnehmung verschiedener Akteure der internationalen Entwicklungszusammenarbeit befragt wurden. Für die DEval/AidData-Studie zur deutschen EZ werden basierend auf diesem Datensatz die erfahrungsbasierten Wahrnehmungen von 1227 Personen (961 aus Regierungen, 195 aus der Zivilgesellschaft, 71 aus der Privatwirtschaft) aus 116 Ländern analysiert, welche angeben, zwischen 2004 und 2013 mit mindestens einer Institution der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (deutsche Botschaft, GIZ, KfW) vor Ort interagiert zu haben.

Ziel der Studie

Ziel der Studie ist es, hypothesenbasiert zentrale Fragen zur Wahrnehmung der deutschen EZ in der Zeit zwischen 2004 und 2013 aus Partnerperspektive zu untersuchen:

• Als wie nützlich wurde die Politikberatung empfunden, die die genannten deutschen Akteure angeboten haben und hatten individuelle und länderspezifischen Faktoren einen Einfluss hierauf?

• Wie groß war der Einfluss, den die genannten deutschen Akteure gemäß der Erfahrungen der Akteure in Entwicklungsländern auf die Entscheidung in ihren Ländern ausübten, Reformen zu verfolgen (Agenda-Setting) und hatten individuelle und länderspezifischen Faktoren einen Einfluss das Antwortverhalten?

• Als wie nützlich wurden die genannten deutschen Akteure aus Partnersicht bei der Umsetzung von Reformen in Partnerländern wahrgenommen und hatten individuelle und länderspezifische Faktoren einen Einfluss hierauf?

• Verfügten die genannten deutschen Akteure im Vergleich zu anderen Gebern über komparative Stärken (oder Schwächen) mit Blick auf ihre Beiträge beim Agenda-Setting, bei der Politikberatung und bei der Implementierungsunterstützung im Allgemeinen und mit Blick auf spezifische Sektoren (z.B. Umwelt, Governance, soziale Sektoren)?

• In welchen Ländern bzw. Weltregionen verfügten deutsche EZ-Akteure über spezifische Stärken (oder Schwächen) in Bezug auf die wahrgenommene Nützlichkeit ihrer Politikberatung, ihren Einfluss auf die Reformagenda, sowie auf die Unterstützung bei der Umsetzung von Reformen?

Fahrplan

• Das Konzept der Evaluierung wurde Ende April 2015 vorgestellt.

• Vorläufige Ergebnisse wurden der Referenzgruppe im September 2015 vorgestellt.

• Der Bericht wurde 2016 veröffentlicht.

 

Stand: Oktober 2016